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DAS UNVERZICHTBARE STÜCK ZUR ICH-AG UNSERER TAGE? (nachtkritik)

18.05.2017

Was ist schlimmer? Jung sein und nicht wissen, wohin? Dabei planlos von Zukunftsängsten in die Verzweiflung getrieben werden und von Selbstzweifel zerfressen? Oder jung sein und nichts als Absichten haben? Das Leben vorprogrammiert, alles unter Kontrolle, dabei genau wissen, was man will und wird, wer man ist und wozu man lebt.

Schon im Kindesalter ist die erste Lebensversicherung abgeschlossen, die Berufslaufbahn ist in Erreichbarkeitsstufen eingeteilt, noch vor dem Kindergartenabschluss, die engsten Vertrauten findet man übers Medium, Freunde hat man Tausende, man hat noch nie geküsst, aber kennt schon die gewünschte Beziehungsform … Jung sein, um erwachsen zu werden … Alles programmiert. Alles kontrolliert. Alles reguliert.

Ein paar junge Leute treiben sich in dieser Welt sinnentleert und aus Langeweile gegenseitig in den Wahnsinn. Ihr Dasein scheint ohne Reiz und Sinn. Sich gegenseitig zu quälen, zu reizen, Emotionen hochzuschaukeln, zu intrigieren und die Aussicht auf einen möglichen Freitod dient ihnen als Stimulanz. Egal, wie nah man sich körperlich kommt, die Seelen bleiben einander fremd. „Entweder man verbürgerlicht, oder man begeht Selbstmord. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.“

„Krankheit der Jugend“ von Ferdinand Bruckner, ein brisant heutiges Psychospiel, in dem keiner mehr Mensch ist, sondern jeder purer Sprengstoff …

 

Ihr Harald Gebhartl