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ÜBER NIEDERTRACHT UND UNKULTUR.

15.11.2017

Noch dazu angeführt von einer arroganten, dekadenten Elite, in der man für den eigenen Vorteil, für Macht und Geld über Leichen geht. Nein, so nicht mehr! Herr Molière fasst den Entschluss, nur mehr radikal ehrlich, kompromisslos aufrichtig und gnadenlos wahrhaftig zu sein. Mit allen möglichen verbalen Mitteln kämpft er gegen all die Lügner, Lobbyisten, Opportunisten und korrupten Höflinge an. Ja, er legt sich diesbezüglich auch mit Ministerium und Hof an. Zu seinem Unglück verliebt er sich dabei unsterblich in eine wahnsinnig attraktive Dame der Gesellschaft, einer „Strippenzieherin“, in deren Salon die wichtigsten Politiker, Beamten und Gesellschaftsjournalisten, also Gott und die Welt verkehren. Ein Kampf beginnt. Wie kann Herr Molière ganz ohne spitzbübische Schmeicheleien, ohne kriminelle Energie und nur mit Aufrichtigkeit um die Liebe einer so gesellschaftstüchtigen Dame kämpfen? Wie kann die aufrichtige Liebe des Herrn Molière gegen die bestehenden Konventionen einer verdorbenen, aufgeblasenen Gesellschaft bestehen? Wie soll sich Herr Molière gegen herzlos schuftige, unsportlich operierende Nebenbuhler durchsetzen? Kann ein Einzelner die Maxime einer Gesellschaft vorgeben oder sogar ändern? Kann sich wahrhaftige Liebe über Niedertracht und Unkultur erheben? Wer wird da letztendlich zum Menschenfeind und wer zum Menschenfreund? Herrn Molières Kampf wird zu seinem eigenen Überlebenskampf, der ihn verändert. Wir fragen uns, kann er in dieser bösen, gefährlich lustigen Farce dennoch die feine Herzdame gewinnen und dabei vielleicht sogar Teil der Gesellschaft bleiben, ja sogar in ihr aufsteigen? Oder wird ihm seine triumphal ehrliche Trotzigkeit, seine zornig  zementierte Revolutionsgesinnung zum abgründigen Verhängnis … Schwer zu sagen. Wer kann schon vorausahnen, wie eine derart spöttische Gesellschaftsgroteske, eine so durchgeknallte Commedia dell‘Arte letztendlich ausgeht. Verrät es uns der Untertitel vielleicht? Mitnichten …

Harri Gebhartl