Sujet: Theater Phönix
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Quartett

mit Eva Math, Dietmar Nigsch , Helga Opelt , Margit Pflügl
Regie: Harald Gebhartl
Bühne: Stefan Brandtmair
Kostüme: Martina Kornfehl
Lichtgestaltung: Klaus Rink
Musik: Wolfgang Peidelstein
Dramaturgie: Markus Ebert, Robert Stähr
Premiere: 29.03.1990

TAGEBUCH QUARTETT

 

TIEF-GEFÜHL-TRUHE

Ich baute über 100 Kühlschränke in den Raum. Kühlschrank um Kühlschrank mauerte ich die blutige Verletzbarkeit meiner Seele zu. Ich suchte Schutz und Wärme, und fand Isolation, Kälte, Frost. Ich wollte meine Liebe, meine Macht, meine angenehmen Gefühle HALTBAR machen, konservieren, und schaffte nur Silos für Seelenfutter, das verfaulte. Weil ich sammelte, ohne zu geben …

Angst!

 

NAHRUNG

Ich war so satt an allem, so satt, daß ich hungerte nach dem Wesentlichen. Die Nahrung hatte ihren Nährwert verloren. Ich magerte ab zu einem Skelett, obwohl ich mir täglich den Bauch vollschlug.

 

WEH-WUT

Ich war so wund und verletzbar. Man stocherte in meinen Wunden. Ich mußte mich absetzen, isolieren, bandagieren, zumauern. Dann spürte ich nichts mehr. Ich ließ mir weh tun, mich verletzen, mich zerstören, um überhaupt noch etwas zu spüren.

 

LANGE WEILE

Irgendwann gab es keine Grenzen mehr zu sprengen, keine Türen mehr, die aufgehen wollten. Eingeschlossen im Gefühlshungerturm, blieb mein Spielfeld immer gleich begrenzt, immer gleich, immer gleich …

 

OHN-MACHT

Macht macht mich geil. Doch sie erwächst aus meiner Ohnmacht. Und meine Ohnmacht läßt mich verzweifeln und hassen. Was bleibt ist die Sehnsucht nach Liebe …

(Harri, Dietmar, Eva)

 

DIE METHODE

(Proben zu Quartett)

„Menschentheater“: Es galt „Figuren“ aus uns selbst entstehen zu lassen, aus unserer eigenen erlebten Wahrheit.

Hüten wir uns vor der Gesellschaft, der Gesellschaft in uns. Sie hat nichts Gutes vor, nichts Verwegenes. Wir haben immer die Dichtung gegen sie, gegen uns in der Hand, im Hirn, im Herzen, aber vor allem im Mund, im Körper. Wir sollten sie zeigen: die Brüste der Behauptung, den Schwanz der Sehnsucht und Herausforderung, die Schenkel des Anlockens und Abstoßens, den Arsch der Verweigerung und Einladung, die Achselhöhle der Anstrengung, den aufreizenden Schweiß, den kalten Blick, die zuckende Hüfte, die wiegende und nachdenkliche Stirn und das Weinen des verlassenen Körpers in der Ecke.

(Regie)

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