Sujet: Stefan Eibelwimmer
zurück

Er ist wieder da

nach dem Roman von Timur Vermes in einer Spielfassung von Harald Gebhartl
mit Rebecca Döltl, Emese Fáy , David Fuchs , Markus Hamele , Sina Heiss , Simon Jaritz , Felix Rank , Sabrina Rupp
Regie: Harald Gebhartl
Bühne: Michaela Mandel
Kostüme: Linda Redlin
Lichtgestaltung: Ingo Kelp
Musik: Wolfgang Peidelstein
Choreografie: Doris Jungbauer
Video: Erik Etschel
Dramaturgie: Sigrid Blauensteiner
Österreichische Erstaufführung: 26.11.2015 Saal
Letzte Vorstellung: 14.01.2016
Dauer: 1h 30min

Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden und unter Tausenden von Ausländern. Eine gefühlte Ewigkeit nach seinem vermeintlichen Ende strandet er in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? All das und mehr: Timur Vermes‘ Romandebüt ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte, das seit seinem Erscheinen 2012 die Bestsellerlisten stürmt.

Fotos

Sujet: Stefan EibelwimmerSujet: Stefan Eibelwimmer
Rupp, Fuchs, Hamele, Heiss, Rank, Jaritz, Fáy© Christian Herzenberger
Jaritz, Hamele, Döltl, Rupp, Rank, Heiss, Fuchs, Fáy© Christian Herzenberger
Rupp, Jaritz, Heiss© Christian Herzenberger
Jaritz, Hamele© Christian Herzenberger
Rupp, Hamele, Rank, Jaritz, Fáy, Fuchs, Heiss© Christian Herzenberger
Jaritz, Döltl© Christian Herzenberger
Rupp, Hamele, Jaritz, Heiss© Christian Herzenberger
Jaritz, Fuchs© Christian Herzenberger
Rupp, Heiss, Fáy, Hamele, Fuchs, Jaritz© Christian Herzenberger
Jaritz© Christian Herzenberger
Hamele, Fuchs, Jaritz, Rank, Fáy© Christian Herzenberger
Heiss, Rank, Fuchs, Hamele, Rupp, Jaritz, Fáy© Christian Herzenberger
Heiss, Rank, Fuchs, Hamele, Jaritz, Fáy© Christian Herzenberger

Trailer

Sitzplan

Pressestimmen

Sein Aufstieg ist unaufhaltsam

Silvia Nagl, OÖN, 28.11.2015

„Er ist wieder da" ist gelungene Satire über Hitler und Medien im Linzer Theater Phönix

„Der Comedian in der Maske des Monsters" heißt es einmal im Stück. Oder ist‘s doch eher das Monster in der Maske des Comedians? Genau das ist ja das Perfide am Bestseller „Er ist wieder da" von Timur Vermes und ebenso an dieser von Theater-Phönix-Chef Harald Gebhartl sehr geschickt verfassten Bühnenversion: Denn nur dieser Adolf Hitler, der nach mehr als 60 Jahren plötzlich mitten in Berlin wieder auftaucht, weiß, dass er es wirklich ist.

Alle anderen halten ihn für einen Irren, der glaubt, Hitler zu sein und ihn derart perfekt darstellt, dass er schon ein besonders guter Schauspieler sein muss.

Keine Witzfigur

Hitler auf der Bühne zu spielen, ist gefährlich - in jeder Hinsicht. Wie das aber Simon Jaritz tut, ist von allerhöchster Schauspielgüte und bewundernswerter (Text)Konzentration. Naturgemäß braucht es dafür die typischen Äußerlichkeiten, den Sprachduktus und die fuchtelnde Gestik. Er lässt auch das R rollen und macht aus einem E ein Umlaut-A. Wirklich besonders, weil beängstigend aber wird diese Bühnenfigur, weil er sie in der behutsamen Regie von Harald Gebhartl nie zur Witzfigur verkommen lässt, sie nicht karikiert. Wir können zwar über diesen Typen lachen, aber so richtig auch wieder nicht, denn wir wissen um seine Gefährlichkeit. Hitler aber, von seinen Ideen nach wie vor überzeugt, lacht nie. Zu ernst ist es ihm mit dem, was er sagt.

Dem Autor ging es in seinem Buch, um das Gedankenspiel, wie es wäre, würde Hitler in unserer Zeit leben. Er würde wohl die Medien wie Fernsehen und „Internetz" benutzen, denn mit Propaganda kennt er sich ja bestens aus.

Fernsehmacher entdecken den eigenartigen Mann mit seinen verqueren Ideen als Quotenbringer. Die Zuseher mögen es, wenn er seine abstrusen Monologe hält und er mag es, den Leuten aufs Maul zu schauen und sie zu manipulieren. Sein Aufstieg ist unaufhaltsam - als TV-Star.

Gebhartl setzt auch auf die im fast 400 Seiten dicken Buch ausgeführte Mediensatire. Er lässt alles in einer Art autobiografischen TV-Show ablaufen, mit der das TV-Team und Hitler in seiner „Lieblingsstadt Linz" gastieren. Michaela Mandel hat dafür ein passendes Bühnenbild mit NS-Monumental-Architektur in Mini-Format und Show-Treppen gebaut. Wolfgang Peidelstein verjazzt für die Kennmelodie den „Walkürenritt" von Hitlers Lieblingskomponist Richard Wagner.

Das Schauspiel-Team agiert teils in Mehrfachrollen. Markus Hamele ist ein dauergrinsender Show-Moderator und herrlich komisch als Inhaber der „Blitzreinigung" Yilmaz, David Fuchs ist ein smarter Managertyp und brillant als Bülent-Ceylan-Imitator, dem der immer lockerer werdende Hitler aber die Show stiehlt. Sabrina Rupp und Sina Heiss singen süßelnd und schweben gekonnt zwei allgegenwärtige Show-Girls. Felix Rank und Emese Fáy ergänzen die von der Regie gut herausgearbeiteten Charaktere.

Rebecca Döltl als Hitler-Sekretärin mit Berliner Schnauze sucht für ihren Chef eine passende E-Mail-Adresse: Das ist eine von vielen kleinen, feinen Szenen, bei denen die Ironie mit dem Wissen in unseren Köpfen um die historischen Ereignisse eine Verbindung zwischen Lachen und Grauen eingeht.

„Er ist wieder da. Keiner weiß, woher er kommt, aber wir wissen, wohin er es gebracht hat", wird mehrmals im Stück gesagt. Ja, wohin hätte er es wohl in unseren Tagen gebracht?

Mediensatire mit Beißhemmung

Andreas Hutter, Neues Volksblatt, 28.11.2015

Premiere: Satire „Er ist wieder da" nach Timur Vermes im Iinzer Theater Phönix

Wo, wenn nicht in Linz, der einstigen „Lieblingsstadt des Führers", müsste eine Personality-Show über Hitler heute Station machen? Das hat sich Phönix-Chef Harald Gebhartl gedacht und lässt seine Fassung des auch bereits verfilmten und derzeit in den Kinos laufenden Bestsellers „Er ist wieder da" (2012) eben da spielen. Wobei: Konkret mit Linz hat die Handlung dann doch nicht zu tun. Außer dass der Aufstieg Hitlers - der im Buch des deutschen Journalisten Timur Vermes auf wunderbare Weise anno 2011 wieder auftaucht - zum Fernsehstar in Rückblenden erzählt werden muss. „Niemand weiß, woher er kam, aber wir wissen, wohin er es brachte", verkündet der joviale TV-Moderator (Markus Hamele) allenthalben.

Ein Führer ohne Führer-Schein

Hitler selbst wundert sich bloß über die moderne Zeit: „Ich habe die letzten 66 Jahre verschlafen und keiner glaubt es." Nicht einmal die schmierig-quotengeilen Fernsehmacher Joachim Sensenbrink (David Fuchs) und Frank Sawatzki (Felix Rank), die meinen, einen genialen Parodisten vor sich zu haben. Auch ihre Chefin Carmen Bellini (tough: Emese Fáy) sieht im „angeblichen" Hitler einen neuen Stern am Comedy-Himmel. Man glaubt doch glatt, einen Clown zum Frühstück verspeist zu haben, wenn er zu seinen Monologen ansetzt: über die Probleme der Polen mit dem Eigentumsbegriff oder darüber, was bei einem Angriffskrieg alles zu berücksichtigen ist. Zum Zerkugeln ...

„Bis zu einem gewissen Grad muss man diese Funk-Frettchen in Kauf nehmen", sagt sich Hitler, der „Führer ohne Führer-Schein" (ha, ha, ha), aber bald mit einem Faible für „Internetz" und „Hand-Telefon". Obwohl er nie bestreitet, der echte Hitler und ein Nazi zu sein, finden jene, die das Geld mit ihm machen, immer neue Ausreden, um die Augen weiter verschließen zu können: Er betreibe ja bloß „Method Acting", und seine improvisierten Hetzreden sparen Drehbuchautoren. Nur Hitlers jüdischstämmige Sekretärin (Rebecca Döltl berlinert gekonnt) meint langsam: Nachtigall, ick hör dir trapsen ...

Darf man über Hitler lachen? Seit Charlie Chaplins Film-Meisterwerk „The Great Dictator" wird diese Frage mit ja beantwortet, auch wenn man damals, 1940, noch nicht die Ausmaße des Holocausts kannte. Es kommt freilich auf Art und Qualität der Satire an. Regisseur Harald Gebhartl stellt sich dieser Frage mit einem klug gewählten, wenn auch etwas vorhersehbaren Schluss. In seiner Regie überwiegt das Heitere gegenüber dem Tiefgang, das Lachen bleibt einem hier nur ganz zum Schluss im Halse stecken.

Michaela Mandel verzichtet in ihrem gefälligen Bühnenbild aus Showtreppen und Zeitungskiosk dankenswerterweise auf Hakenkreuze. Hauptdarsteller Simon Jaritz ist als Hitler zwar kein Bruno Ganz, trifft Duktus und Tonfall des „Gröfaz" aber recht gut und trägt diese Österreichische Erstaufführung, die am Donnerstagabend extrem gut besucht war. Alles in allem eine kurzweilige, trotz des brisanten Themas aber letztlich eher harmlose Mediensatire, deren 85-minütiger Inszenierung der letzte gesellschaftskritische Biss fehlt.

Medienkritik mit Führer: „Er ist wieder da" im Linzer Theater Phönix

, Tiroler Tageszeitung, 27.11.2015

Linz (APA) - Das Linzer Theater Phönix hat am Freitag eine eigene Fassung des Bestsellers „Er ist wieder da" von Timur Vermes auf die Bühne gebracht. Harald Gebhartl, für Textfassung und Regie verantwortlich, legt den Fokus dabei auf Medienkritik. Auch wenn mancher Zuseher nach der Premiere gelobt haben mag, etwas seltener „gefällt mir" zu klicken - dem Publikum hat es gefallen.

Wie gelang es Hitler mit seinem lächerlichen Auftreten, mit seinen krausen Ideen, mit seiner unverhohlenen Bösartigkeit die Massen zu begeistern? Gut, dass wir heute viel aufgeklärter sind, so kann sich die Geschichte nicht wiederholen. Kann sie nicht? Der Stoff von Timur Vermes zieht das mehr als in Zweifel.

Hitler (Simon Jaritz) erwacht 2011, wundert sich kurz über die heutige Welt, erkennt allmählich wo und in welcher Zeit er sich befindet. Die Fernsehmacher Joachim Sensenbrink (David Fuchs) und Frank Sawatzki (Felix Rank) entdecken das „Talent", ihre Chefin (Emese Fáy als Carmen Bellini) ist begeistert: endlich ein neuer Stern am Comedyhimmel! Man kann sich doch immer wieder zerkugeln vor Lachen, wenn er seine Monologe schwingt über die Unzulänglichkeiten verschiedener Nationen oder darüber, was man bei einem Angriffskrieg alles bedenken muss.

Hitler passt sich an. Er wechselt vom abgerissenen „Soldatenrock" in einen smarten Anzug, seine bierernste Bulldoggen-Miene weicht gelegentlich einem Lächeln. Er entdeckt das „Internetz" und den Boulevard. Aber er bestreitet nie, Hitler, ein Nazi, ein Kriegsverbrecher zu sein. Seine Förderer finden immer neue Ausreden, die Augen nicht öffnen zu müssen: Er betreibt ja nur „Method Acting", seine improvisierten Brandreden ersparen zusätzliche Autoren, alles nur Theater, alles super. Zweifel bekommt nur die jüdischstämmige Sekretärin Vera Krömeier, gespielt von Rebecca Döltl als Berliner Schnauze.

Die Gebhartl-Fassung packt die Romanvorlage in eine Personality-Show, die in Linz - der „Lieblingsstadt des Führers" - Station macht. Ein dauergrinsender Moderator (Markus Hamele) verkündet, dass „er" wieder da ist. Auf der Bühne treffen einander martialische Symbolik und platte Showelemente, Reichskanzlei meets Revuetheater. Simon Jaritz versucht sich erst gar nicht als Hitler-Abziehbild. Sein gepresster Sprachduktus, sein Grummeln und sein empörter Blick, wenn er seinerseits parodiert wird, bergen etliche Pointen ohne billige Schenkelklopfer.

Gebhartl verzichtet auf einen Paukenschlag zum Schluss. Er beendet das Stück mit einer kurzen menschlichen Regung, die auch den Letzten im Saal einsehen lassen muss: „Er ist wieder da" - aber nicht, weil er auf mysteriöse Wiese vom Himmel gefallen ist, sondern, weil die Medien und das „Volk" ihn zu dem machen, der er immer schon gewesen ist.

Gags und Witze ohne Spannung

Jasmin Gaderer, Krone, 28.11.2015

Die Hitler-Satire „Er ist wieder da" Im Unzer Theater Phönix

Nazi-Witze am laufenden Band gab es bei der Premiere von „Er ist wieder da" nach dem Bestseller von Timur Vermes im Linzer Theater Phönix - doch Hitler-Satire allein macht noch kein fesselndes Theaterstück aus. Die Entscheidung, den Roman als Stück im Stück auf die Bühne zu bringen, erstickte jeden Spannungsbogen im Keim. Schade, da wäre mehr drin gewesen!

Das Gedankenspiel, das Vermes Roman „Er ist wieder da" 2012 in die Bestsellerlisten katapultierte, ist rasch erzählt: Adolf Hitler wacht, lebendig wie nie, im heutigen Berlin auf. Unzählige Gags sind aufgelegt, wenn der Führer seine Uniform in einer türkischen Reinigung säubern lässt oder das Internet als Propagandainstrument, wie es Göbbels nicht besser erfinden hätte können, erkennt.

Die Spielfassung und Regie von Harald Gebhartl im Theater Phönix klebt aber viel zu sehr an der Romanvorlage, die aus der Sicht von Hitler erzählt - diese Ich-Form wird über weite Strecken beibehalten, wenn Simon Jaritz, der einen so überzeugenden wie komischen Adolf Hitler mimt, dem Publikum in Form eines Stucks im Stück (Bühne: Michaela Mandel, Kostüme: Linda Redlin) von seinen Erlebnissen berichtet, unterstützt von einem Moderator (Markus Hamele, der auch den Zeitungskrämer und Yilmaz spielt) und Sängerinnen im rot-weiß-roten Dirndl (Sina Heiss, Sabrina Rupp).

Eine flüssige Erzählung abseits der sich rasch abnutzenden Hitler-Witze kam deshalb gar nicht erst zustande, ein Spannungsbogen fehlte, außer Jaritz blieben alle Darsteller (Ausnahme: Rebecca Döltl als laute Vera Krömeier) blass. Die ernste Komponente des Stoffs der aufzeigt, wie rasch sich Geschichte wiederholen kann, wird bis zur Schlussszene kaum angetastet. Schade, vom experimentierfreudigen Phönix wäre mehr zu erwarten gewesen.