Sujet: Dini Hroß
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Der Fliegende Holländer

Ein verflucht karibischer Schiffbruch in A-hoi-Dur

mit David Fuchs, Lisa Fuchs , Matthias Hack
Regie: Erik Etschel
Ausstattung: Thomas Kurz
Lichtgestaltung: Christian Leisch
Musik: Armin Lehner
Choreografie: Doris Jungbauer
Uraufführung: 01.10.2011 Studio

Sehr frei nach Richard Wagner erzählt diese Trash-Revue die Geschichte des Seefahrers Jack Fokke, der als einziger Kapitän nicht imstande war, das Kap der Guten Hoffnung zu umschiffen und deshalb sogar den Teufel selbst aufs Unflätigste beschimpfte. Worauf dieser den dreisten Kapitän dazu verdammte, nunmehr auf ewig um besagtes Kap zu segeln. Allein die ungebrochene Treue einer Frau kann den wackeren Holländer von dem Fluch erlösen. Keine leichte Aufgabe, zumal er nur alle sieben Jahre an Land darf und Orlando Bloom als Nebenbuhler extra eingeflogen wurde ...

Seemannslieder entern romantische Oper, Fluch der Karibik trifft Goethes Faust und Richard Wagner wird kielgeholt.

Fotos

Sujet:
© Christian Herzenberger
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Trailer

Pressestimmen

Jack Sparrow lässt grüßen

Ulrike Breit, OÖN, 03.10.2011

Premiere: „Der fliegende Holländer" Trash-Revue, Theater Phönix Linz, Uraufführung am 1. Oktober

Der verflucht karibische Schiffbruch in A-hoi-Dur von Erik Etschel und Lisa Fuchs im Theater Phönix hat es in sich: Schauriger hat kaum ein Mast gekracht, ein Zombie gegrunzt, ein Seemann geflucht, lieblicher kein Dirndl gesungen, kein Held gelitten. „Der fliegende Holländer“ verbindet Klamauk mit Romantik, Horror mit Slapstick, und Wagner mit dem Fluch der Karibik.

Die drei Akteure singen, tanzen und spielen wie der Teufel, schalten auf Knopfdruck von einem Dialekt zum anderen, von einem Klischee ins nächste, wechseln blitzschnell ihre Rollen. Lisa Fuchs wandelt sich vom Steuermann zum Richard Wagner, von der Dirndl-Touristin zur „bitch“ und zur Senta Daland. David Fuchs gibt seinem getriebenen Jack Fokke jr. viel Emotion. Mit Tattoo-gemusterten Stümpfen um die Arme und Rasta-Perücke am Kopf – Jack Sparrow lässt grüßen – hetzt er wie ein Irrer über die Bühne und vor seinem Fluch davon, hält aber auch inne bei seinen Monologen. Matthias Hack gibt Zombie, Vater Daland, Mutter Fokke und outet sich als extra angereister Orlando Bloom.

Der Kern des fliegenden Holländers ist da, der des Pudels taucht kurz auf und das Drumherum ist eine vergnügliche Revue – manchmal laut, nie platt. Detailreich die Ausstattung (Thomas Kurz): Totenköpfe auf dem Weg zum Studio, das Bühnenbild vereint Kap der guten Hoffnung, Mast und Bar. 80 Minuten, die Spaß machen.

Sie sind voll tot, weil sie voll keine Luft kriegen

Eva Hammer, Neues Volksblatt, 03.10.2011

Im Theater Phönix Linz lässt „Der fliegende Holländer“, eine Trash-Revue, bezüglich Einfallsreichtum keine Wünsche offen.

Echt cool war die Premiere des „Fliegenden Holländer“ am Samstag im Linzer Phönix. Was Lisa Fuchs, David Fuchs und Matthias Hack mit Regisseur Erik Etschel auf die Bühne stellen, ist neunzig Minuten lang purer Spaß und vor allem eine atemberaubende Demonstration höchster Schauspielkunst, bei der auch Johann Wolfgang von Goethe und Richard Wagner nicht zu kurz kommen. Das Publikum sitzt im Schiffsbauch des Geisterseglers „Fliegender Holländer“, und ist mit dessen Kapitän John Fokke zum ewigen Umschiffen des Kaps verdammt. Nur alle sieben Jahre darf der Käpt’n an Land, um eine Frau zu finden, die ihm Liebe und Treue bis in den Tod schwört. Fünf Anläufe unternimmt David Fuchs als köstlicher Johnny-Depp-Verschnitt, um immer wieder zum Ergebnis zu kommen: „Die Weiber sind alle gleich.“ Orlando Bloom (Matthias Hack) fliegt extra ein, um dem Geschehen mehr Niveau zu verleihen. „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, wir „lieben die Stürme“ und „lagen vor Madagaskar“, erklären ebenso perfekt die der wuchtigen Wagner-Oper nachempfundene Geschichte und Goethes wohlgeformte Worte. Es fehlt kein Detail des großen Dramas. Und wenn alle noch so voll tot sind, weil sie voll keine Luft kriegen – als der verfluchte Seemann seiner Senta zum ersten Mal gegenübersteht, herrscht echte erotische Spannung, dass es still wird im Publikum. Solche Kontraste sind Markenzeichen dieser Produktion. So wird aus der sperrigen Wagner-Oper ein Theaterereignis, das an Action, Witz, Bühne, Technik und Musik keine Wünsche offen lässt.

Spritzige Revue

Elisabeth V. Rathenböck, Krone, 03.10.2011

Das Linzer Theater Phönix umschifft mit einer spritzigen Abendrevue Richard Wagners bekannte Oper „Der fliegende Holländer“. In 90 Minuten erfährt man alles über das traurige Liebesleben des Seefahrers Jack Fokke, rockige und romantische Singeinlagen inklusive. Das ist Theaterkleinkunst zum Verlieben!

Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ erzählt vom unsterblichen Seefahrer Jack Fokke, der an der Umschiffung des Kaps der Guten Hoffnung scheiterte. Als Verfluchter, der es sich sogar mit dem Teufel verscherzte, sucht er nun die Erlösung durch die Treue einer Frau.

Kabarettistisch zugespitzt von Erik Etschel (Regie) wird das Opus Magnum im Linzer Theater Phönix zu einer kurzweiligen, verspielten Persiflage, die bei aller frivolen Komik nie das Wesentliche aus den Augen verliert: die Suche nach der Liebe. David Fuchs brilliert als Jack Fokke, ihn umkreisen, bezirzen, verführen Lisa Fuchs und Matthias Hack mit großer Verwandlungskunst und Komik.

Das Schiff hat Andreas Kurz (Ausstattung) mit einem Mast und Kletterseilen ins Studio des Theater Phönix eingepasst, das Geisterhafte spiegeln allerlei Kostüme wieder. Immerhin reist Fokke schon über 200 Jahre vergeblich zur See, da darf etwas Zombiestimmung aufkommen. Und die Zeit treibt auch ihre Spielchen, darum mischt sich Fokkes Schicksal mit Zitaten aus dem Kinofilm „Fluch der Karibik“, Goethes Faust wird durchgeschwemmt und Richard Wagner hat auch seinen Auftritt an Deck. Nebenbei wird der stramme Untote in der spritzigen Abendrevue auch noch zum Rockstar …

Die Premiere am Samstag zeigte: gute Unterhaltung mit Hang zum Trash!