Sujet: Dini Hroß
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Othello

mit Lisa Fuchs, Matthias Hack , Theo Helm , Simon Jaritz , Ferdinand Kopeinig , Günther Rainer , Judith Richter , Peter Woy
Regie: Barbara Neureiter
Bearbeitung: Barbara Neureiter
Bühne: Erich Uiberlacker
Kostüme: Gerti Rindler-Schantl
Lichtgestaltung: Erich Uiberlacker
Musik: Sigmar Aigner, Didi Bruckmayr
Premiere: 06.05.2010 Saal

Weit hat er es gebracht, der schwarze Feldherr und gesellschaftliche Außenseiter Othello: durch seine Klugheit und militärische Tüchtigkeit wird ihm sogar der Oberbefehl über die venezianischen Truppen im Kampf gegen die Türken angetragen. Doch so überlegen er in militärischer Hinsicht ist, so unsicher agiert er in Gefühlsangelegenheiten. Und übersieht, wo der eigentliche Feind sitzt: Sein vermeintlich treuer Freund Jago hasst ihn abgrundtief, weil Othello nicht ihn, sondern Cassio zum Leutnant befördert hat. Auch glaubt er, seine Frau Emilia habe ihn mit Othello betrogen. Um sich zu rächen, plant Jago Othellos Sturz und packt ihn an seiner empfindlichsten Stelle: seiner Liebe zu Desdemona. Wie eine Spinne webt Jago ein feinmaschiges Netz aus Lügen und falschen Beweisen und schürt so Othellos Misstrauen. Sein Plan geht auf. Blind vor Eifersucht und tief getroffen von der vermeintlichen Untreue seiner jungen Ehefrau steuert Othello geradewegs in die Katastrophe.

William Shakespeares zeitlose Tragödie der menschlichen Unzulänglichkeit und Schwäche als packender Beziehungsthriller in einer Fassung von Barbara Neureiter.

Fotos

Sujet: Dini Hroß
© Christian Herzenberger
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Pressestimmen

Studien über Manipulation

Wolfgang Schmutz, Der Standard, 28.05.2010

Jago, Fähnrich des „Generals" von Venedig, spinnt eine Intrige gegen den Herrn, deren Fäden sich wie ein Venengeflecht durch Othello ziehen. Shakespeares Tragödie ist eine Studie der Manipulation. In Barbara Neureiters Inszenierung wird diese in einer Black Box raumgreifend. Dafür schafft sie Platz. Auf Nebenpersonal wird verzichtet, und der Text ist gerafft und mit zeitgenössischem Sprachgebrauch verdichtet worden.

Zur Ausstattung gereicht im Wesentlichen ein weißer Vorhang. Er kontrastiert das Dunkel, markiert die Zerbrechlichkeit des Liebesglücks. Es sind die Frauen, die ihn auf und zu ziehen. Hier ist alles auf Jago ausgerichtet, den der famose Simon Jaritz suggestiv gibt. Ein Strippenzieher, der zum Intrigieren die Hände nicht aus den Hosentaschen zu nehmen braucht. Seine Waffe ist das Wort, und es bleibt Jago vorbehalten, sowohl mit Herren als auch mit Knechten in jeweils gefragten Zungen zu konferieren. Am liebsten erklärt er sich aber coram publico, macht den Zuschauer zum Mitwisser, von dem er bewundert werden will. Ein Angestellter erliegt dem Größenwahn. Othello (Matthias Hack) wird von Jago in die Eifersucht getrieben.

Sein Leutnant Cassio (Ferdinand Kopeinig) soll mit seiner Desdemona (Judith Richter) ein Verhältnis haben. Der vermeintlich Gehörnte wird zum Tier. Die Intensität steigt, ist jedoch bald auf hohem Niveau festgefahren. Hochspannung liegt permanent in der Luft, durch Schreien ventiliert, und dazu flirrt der Soundtrack von Sigmar Aigner und Didi Bruckmayr. Den zuweilen hohen Puls des auf zwei Stunden angelegten Stücks vermag das blendend agierende Ensemble jedenfalls zu halten. Vom Narr (Günther Rainer) über Rodrigo (Theo Helm) bis zur Zofe Emilia (Lisa Fuchs) überzeugen die Schauspieler. Das tut auch die Inszenierung, die sich lediglich zu früh auf Starkstrom verlegt.

Nicht schwarz, doch andere Art der Außenseiter

Margret Czerni, Neues Volksblatt, 08.05.2010

So stringent wie ergreifend inszeniert: Shakespeares Sprachkunstwerk „Othello" im Linzer Theater Phönix

Regisseurin Barbara Neureiter, gebürtig aus Bad Ischl und erfahrene Theaterpraktikerin, hat keine Mühe gescheut, um dem Publikum das anspruchsvolle und immer noch aufregende Drama jenes Mannes, die wir als Jahrtausendbegabung William Shakespeare kennen, in einer schlüssigen eigenen Fassung nahe zu bringen.

Die Sprache als treibendes Element

Das bedeutet hier die Reduktion des Personals und damit die Konzentration auf die handlungstreibenden Figuren, vor allem aber das Hauptaugenmerk auf die Sprache, die das Drama trägt und vorwärts treibt, etwa von einer gebundenen zu einer heutigen Sprache übergleitet. Oder aufzeigt, wie der hasserfüllte Jago - Othello hatte nicht ihn, sondern den nichts Böses ahnenden Cassio (Ferdinand Kopeinig) zum Leutnant befördert - zwei Sprachebenen kennt und sich gleich zu Beginn des ersten Akts mit rüden Worten einführt. Oder wie später Othello als erfolgreicher General Venedigs, vornehm von Charakter und Art, auf Jagos Lügen und Intrigen hereingefallen und in seiner maßlosen Eifersucht auf dessen Sprachebene heruntergefallen ist.

Starke Persönlichkeit mit Rissen

Bemerkenswert, dass Neureiters Othello nicht schwarz, sondern nur „anders", nämlich ganzkörpertätowiert ist. Dem hochgewachsenen Matthias Hack nimmt man nicht nur Othellos Rang als integere und hoch geschätzte Persönlichkeit trotz seiner Außenseiterrolle ab, er macht in seinem außergewöhnlichen „Kostüm" auch gute Figur und wirkt ausgesprochen gewinnend. Dieser Eindruck weicht jedoch sehr schnell dem Entsetzen, sobald sich Hack in einen vor Eifersucht brutal werdenden Wüterich verwandelt.

Als sein Widersacher Jago ist Simon Jaritz erschreckend glaubhaft in seiner vorgeblichen „wohlmeinenden Ehrlichkeit". Das unschuldige Opfer seiner Intrige ist Desdemona, der Judith Richter die zahlreichen Facetten ihres Geschicks, vom Glück der strahlenden Ehefrau bis zu ihrer Ermordung durch ihren Gatten, verleiht. Lisa Fuchs gibt als Ehefrau Jagos eine sympathische, ahnungslose Emilia. Erwähnt sei noch der in Mehrfachbesetzung köstlich auftretende Günter Rainer. Die kastenartige schwarze Bühne (Erich Uiberlacker), „teilbar" durch einen zarten Vorhang, passt bestens als Ambiente für das Geschehen. Wie der lang anhaltende Beifall bewies, sind Neureiters Regiekonzept und ihre Personenführung überzeugend aufgegangen: Das hochmotivierte Ensemble ließ bei der Premiere am Donnerstagabend in seinen darstellerischen Leistungen keinen Wunsch offen.

Lügen, Intrigen, Eifersucht

Marlene Stockinger, Bezirksrundschau, 20.05.2010

Ein Stoff wie aus unserem Jahrtausend: Moderner Othello im Phönix

Shakespeare berührt in einem neuen Kleid nach einer Inszenierung von Barbara Neureiter.

LINZ. Der bekannte Shakespeare-Stoff über den betrognen Feldherren „Othello“ wird im Theater Phönix zurzeit in unser Jahrtausend übertragen. Nicht nur die Sprache des Stücks bekam durch Regisseurin Barbara Neureiter ein neues Kleid, sondern auch der Protagonist Othello, - überzeugend gespielt von Matthias Hack – der in der Originalfassung von William Shakespeare eigentlich schwarz ist.

Die neue Fremde Othellos

„Ich wollte, dass sich die Fremde Othellos auf eine andere Art erzählt. Ich musste eine Übersetzung für etwas finden, das eine gesellschaftliche Irritation auslöst, die sich ausschließlich in der Optik des Menschen begründet“, berichtet Neureiter. So kam es, dass in der Inszenierung der oö. Regisseurin Othello am ganzen Körper fast durchgehend schwarz tätowiert ist. Bis Anfang Juli zeigt das Theater Phönix das modern inszenierte Stück mit dem puristischen Bühnenbild, das für das Phönix bereits typisch ist. Die Emotionen des Stücks sind zeitlos und berühren, als hätte es Shakespeare erst gestern geschrieben – nicht zuletzt durch die schauspielerische Leistung von Simon Jaritz, der den Lügner und Intriganten Jago mitreißend mimt, und Judith Richter als Desdemona, die zwischen Lüge und Wahrheit hin und her gerissen wird.

Katastrophe ohne Zwischentöne

Milli Hornegger, Krone, 08.05.2010

Lautstarke „Othello“-Premiere im Linzer Phönix-Theater:

Shakespeares „Othello" feiert im Linzer Phönix-Theater eine ziemlich lautstarke Auferstehung. Regisseurin Barbara Neureiter legt die Betonung auf das Eifersuchtsdrama - dieses lässt sie von Beginn an und ohne störende Umwege über irgendwelche Zwischentöne auf die Katastrophe zusteuern. Zack. Bumm. Aus.

Mit Nuancen hat sich diese Inszenierung nicht herumgeplagt. Othello heiratet Desdemona. Das ist Fakt. Dass sich hier eine Liebesgeschichte entspinnt, dass sich zwei Menschen zueinander hingezogen fühlen, dass es womöglich sogar knistern könnte? Fehlanzeige ...

Und aus diesem Manko heraus mag ich dann auch gar nicht nachvollziehen, warum sich dieser Othello in einen derartigen Wüterich verwandelt, dem der geringste Zweifel genügt, um lautstark auszurasten. Wie überhaupt ziemlich viel geschrien, getobt, gebrüllt, gekreischt wird. Zwischentöne? Fehlanzeige!

Matthias Hack spielt den Othello, von der Regie recht eindimensional angelegt. Er ist nicht der übliche Schwarze: Kostümbildnerin Gerti Rindler-Schantl zeigt ihn dafür als Ganzkörper-Tätowierten. Auch so kann man jemanden zum Außenseiter machen. Judith Richter ist die Desdemona, Theo Helm ein überschäumender Rodrigo, und Ferdinand Kopeinig gibt den Cassio.

Eindruck hinterlassen einzig Günter Rainer in seiner Minirolle als schlitzohriger Narr - und Simon Jaritz als Jago. Er spinnt sein Intrigantennetz voll kaltem Hass und berechnender Zielstrebigkeit. Und sorgt als einziger Schurke für Gänsehaut.

Das grüne Monster Eifersucht

Silvia Nagl, OÖN, 08.05.2010

William Shakespeares bekanntes Drama „Othello" in einer Neufassung am Linzer Theater Phönix verliert seine Spannung im lauten Gebrüll und kippt sogar ins Lächerliche.

Schwarz wie die Nacht ist die Bühne, hinter einem feinen Vorhang ein ganzkörpertätowierter Hüne, vor ihm liegend flicht eine Frau ihr Haar - da dürfte sich gerade was abgespielt haben zwischen den beiden. Aus dem Publikumsraum Stimmen von wilden Typen, denen die F-Wörter locker über die Lippen flutschen: Rodrigo, kräftiger Körper und schwacher Geist (Theo Helm), und Jago (Simon Jaritz) lästern über den „Niggerfucker".

Nun ja, Barbara Neureiter hat eine eigene Fassung von Shakespeares „Othello" erstellt: aus verschiedenen Übersetzungen, mit Strichen, Text-Änderungen und -Interpretationen. Das ergibt aber kein homogenes Bild, passt manchmal sprachlich nicht zusammen und wirkt - wie die Anfangsszene - anbiedernd an einen vermeintlich aktuellen Jugendslang. Das Drama um den General Othello, den Schwarzen, der Desdemona aus edlem venezianischen Hause ohne Wissen ihres Vaters heiratet, vom intriganten Jago mit dem Eifersuchtsvirus infiziert wird, schließlich seine Ehefrau erwürgt, ist oft gespielt. In der Inszenierung von Barbara Neureiter geht es wild, laut und hysterisch zu - bis dieses Geplärre schließlich gegen Ende so nervt, dass mit Freude auf die Würgeszene gewartet wird: Erwürg sie endlich!, möchte man dem brüllenden Othello zurufen. Der aber erwürgt sie nicht, sondern schießt, sie scheidet stöhnend dahin. Und jetzt sind wir endgültig in einem lächerlichen C-Movie gelandet... Dabei gäbe es auch immer wieder spannende und höchst psychologische Momente in diesem tollen Stück über verletzten Stolz, Neid und Eifersucht.

Interessant ist die Figur des Jago {Simon Jaritz), den die Regisseurin als Beamtentypen von nebenan auftreten lässt: mit einer sogar ihn manchmal überraschenden Lust an Intrige und Bosheit, Matthias Hack und Judith Richter sind ein beeindruckendes Gegensatzpaar. Er groß und mächtig, ganzkörpertätowiert. Warum das? Weil er ein Schwarzer ist, der weiß sein möchte? Bekommt die schwarze Haut weiße Sprünge? Sie ein zartes Wesen auf hohen Hacken, die - ein schönes Bild - über die ganze Spieldauer von rund zweieinhalb Stunden immer irgendwo präsent sind.

Alles im grünen Bereich

Günter Rainer mimt den gestressten Vater, der seine Tochter dann doch recht schnell dem General übergibt. In der Rolle des Narren muss er in eigenartiger Kostümierung herumschlurfen: Schade um diesen närrisch klugen Weltbetrachter. Ferdinand Kopeinig ist ein auf jeden noch so dummen Schmäh hereinfallender Tölpel Cassio, Lisa Fuchs die naive Ehefrau von Jago.

Wenn das Monster Eifersucht bei Othello so richtig zuschlägt, wird die Bühne grün ausgeleuchtet: Danke, wir haben schon kapiert!