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Pretty Woman Revisited

mit Stefan Fent, Lisa Fuchs
Regie: Annette C. Daubner
Lichtgestaltung: Christian Leisch
Musik: Armin Lehner
Choreografie: Sandra Bachner
Uraufführung: 01.04.2008 Studio

Der Student Freddie wurde von seiner Freundin verlassen. Eines Abends am Wiener Gürtel spricht er die junge Prostituierte Jennie an. Jennie arbeitet schon seit einiger Zeit im Milieu, aber sie träumt immer noch von ihrem persönlichen „Richard Gere“. Freddie führt Jennie in ein Hotelzimmer, von dem aus man direkt in die Wohnung der Exfreundin sehen kann. Nachdem Jennie ihm einen langgehegten sexuellen Wunsch erfüllt hat, unterbreitet er ihr einen mörderischen Plan ...

Der Autor und Schauspieler Stefan Fent, geboren 1980 in Salzburg, erzählt von zwei radikalen Romantikern, die entlang gesellschaftlicher Grenzen ihre Phantasien ausleben – bis sich die Rollenspiele irgendwann nicht mehr vom echten Leben unterscheiden lassen und keinen Schutz mehr bieten. Sozusagen Hollywood à la Arthur Schnitzler.

Fotos

Sujet:
© Christian Herzenberger
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Pressestimmen

Gescheiterte Hoffnungen, keimtote Gefühle

Karin Schütze, OÖN, 03.04.2008

Hemmungslose Begegnung

„Pretty Woman Revisited“: Theater Phönix (1. April)

Im Anfang steht das Scheitern einer Beziehung. Freddie, der Verlassene, begegnet der Prostituierten Jenny. Zwei grundverschiedene Menschen, die eins verbindet: das Verdrängen. Stefan Fent (auch Autor des Stücks!) ist ein Träumer, der sich aufbäumt gegen das bittere Erwachen, Lisa Fuchs die Abgebrühte, die ihre Gefühle für keimtot erklärt und doch auf eine Rettung à la „Pretty Woman“ hofft. Um mit der Ex auch seinen Schmerz auszumerzen, überredet Freddie Jenny zu einem Mordkomplott.

Das Stück erzählt, wie aus Enttäuschung Aggression wird, die sich jedoch allzu lautstark und penetrant entlädt. Frontenwechsel: Als in Jenny der Traum von Liebe erwacht, weist Freddie sie mit keimtötender Härte zurück. Aufwühlend hemmungslos geht das Stück unter der Regie von Annette C. Daubner unter die Haut, die beim Publikum etwas dicker sein sollte. Respekt den mutigen Darstellern, die sich im intimen Saal die Seele aus dem Leib spielen.

Eine hochexplosive Erotik-Stunde

Elisabeth Vera Rathenböck, Krone, 03.04.2008

„Pretty Woman Revisited“ im Studio Life des Linzer Phönix:

Das Linzer Theater Phönix hat einen neuen Raum (wieder-)erschlossen. Man nennt ihn „Studio Life“, und hier wird in intimer Atmosphäre ein hochexplosiver Erotiktalk geboten. „Pretty Woman Revisited“ stammt vom jungen Autor Stefan Fent. Er steht selbst als Schauspieler auf der Bühne und heizt sich mit seiner Gespielin auf.

Schauplatz Wiener Gürtel: Der liebeshungrige Student Freddie (Stefan Fent) spricht die Prostituierte Jennie (Lisa Fuchs) an. Das derbe, aber nicht minder aufregende Liebesgeplänkel holt so manche erotische (Wahnsinns-)Vorstellung in die Köpfe. Auch Freddies Phantasie hält mit, bis er sich als Versager outet. Immerhin hat ihn seine große Liebe verlassen. Das hält so einer wie er nicht aus, das bringt ihn um. Oder? Vielleicht soll lieber die Ex sterben? Er überredet Jennie, das Mordkomplott durchzuführen, immerhin würde er sie dafür heiraten …

Regisseurin Annette C. Daubner umreißt mit Freddie und Jennie ein Paar, das sich über gewerblichen, also völlig unverbindlichen Sex näher und näher kommt. Plötzlich mischen sich Gefühle ein, Lebensängste tauchen auf, die jeder mit Träumen bekämpft. Dabei verlieren sie immer nur kurz aus den Augen, dass solche Träume unerfüllbar sind. Gewaltige Gefühle gebändigt in Sprache, mutige Regie, bestes Schauspiel!

Asphaltschwalbe auf derb und ohne kitschige Sozialromantik

Andreas Hutter, Neues Volksblatt, 08.04.2008

Uraufführung: „Pretty Woman Revisited“, ein 2-Personen-Stück des Dramatikers Stefan Fent (28), im Studio des Linzer Theaters Phönix

„Pretty Woman“ war 1990 eine süßliche Hollywood-Komödie, in der sich eine junge Liebesdienerin einen reichen Finanzmogul angelt. Da die beiden von Julia Roberts und Richard Gere gespielt wurden, fand zurecht niemand Anstoß an der happy endenden, völlig unrealistischen Kino-Illusion. 

Der 1980 in Salzburg geborene, in Linz zur Schule gegangene Autor und Schauspieler Stefan Fent hat die „Pretty Woman“ jeglichen sozialromantischen Kitsches entkleidet und auf den harten Boden der Tatsachen am Wiener Gürtel zurückgeführt. Dort wartet die Gunstgewerblerin Jennie außer auf Kundschaft auch darauf, „dass irgendein Richard Gere vorbeikommt und sie in seinem weißen Rolls Royce auf sein Schloss mitnimmt.“ Statt Gere kommt nur Freddie, ein von seiner Freundin verlassener Student im Superman-Leiberl. Rasch ist man handelseins, doch nach 

erledigtem „Job“ fragt er sie, ob sie ihn a) heiraten und ihm b) nicht helfen will, davor noch schnell seine Ex ums Eck zu bringen. Dieser Mordversuch scheitert ebenso kläglich wie ein Happy End: „Träum' weiter“, meint Freddie am Ende zu Jennie. 

Fent, der selbst den Freddie gibt, und Regisseurin Annette Daubner haben daraus ein 2-Personen-Kammerspiel gemacht, das an drastischer Sprache nichts zu wünschen übrig lässt. Oder eigentlich doch: Ein paar zigmal weni

ger „Scheiße“ oder das Götz-Zitat gebrüllt, hätte es auch getan. Eine derb-ordinäre Sprache und überdrehte Cholerik, die das Stück in diesem Ausmaß gar nicht notgehabt hätte, denn die 60 Minuten im stimmigen Bühnenbild machen durchaus Sinn. Gut gelungen auch die Wechsel zu den leiseren Passagen, sehr intensiv die Akteure Fent und Lisa Fuchs. Alles in allem sozusagen Neil LaBute mit dem Dampfhammer. 

Tourettesyndrom im Wiener Gürtel-Puff

Inez Pölzl, Österreich, 03.04.2008

Rundum gelungene Uraufführung – „Pretty Woman Revisited“

Student trifft Prostituierte und schmiedet mörderischen Plan. Ein simpler Plot? Ein geniales Stück, zu sehen im Studio Life! des Linzer Theater Phönix.

Linz. Herzeleid lässt sich auf sehr unterschiedliche Weise vertreiben. Zu den Alltime-Classics zählt sicher Alkohol, oder man sucht Trost in den Armen einer anderen. Der desillusionierte Freddie entscheidet sich für beides und endet samt Jack Daniels bei einer Prostituierten. Was normalerweise mit 100 Euro – blasen extra – getan sein sollte, entwickelt sich zu einer grotesken Schicksalsgemeinschaft.

Die rundum gelungene Uraufführung von Pretty Woman Revisited war am Dienstag im Theater Phönix zu sehen. Für Stefan Fent übrigens eine Doppelte, ist er doch Autor und Schauspieler in Personalunion. Regie führte Annette Daubner. Sie lässt Freddie und Jennie auf einem ovalen roten Plateau mit Go-go-Stange herumturnen. Das Publikum, in Halbkreisen angeordnet, bekam somit (bewusst?) die Rolle von Gaffern in einer Peepshow.

Deftig. Nackte Haut gab es nicht zu sehen. Angesichts Fents expliziter, deftiger Sprache wäre das aber auch zu viel gewesen. (Arsch)Ficken, Scheiße, Schwanzlutschen – die ganze Palette. Daubner hatte die glorreiche Idee, diese Kraftausdrücke in touretteartiger Manier rausschreien zu lassen. Slapstick pur!

Jennie (eine ordinäre, skandalös lustige Lisa Fuchs) denkt beim Sex laut nach: „Hab’ ich den Herd auch abgedreht?“ Wenn sie Geld hätte, würde sie statt im horizontalen im Strickgewerbe arbeiten. Sie wartet auf Richard Gere und verliebt sich natürlich in ihren Kunden Freddie. Dieser wiederum sieht die Liebe zwar kulinarisch („Ich bin halt Österreicher!“), bis zum Dessert bleibt er aber nicht, weil er ja nur einmal das tun wollte, was ihm die Ex-Freundin verwehrt hatte. Um von dieser loszukommen, plant er sie gemeinsam mit Jennie zu ermorden. Ein rasanter und gepfefferter Theaterabend. Nichts für Zartbesaitete.