Sujet: Dini Hroß
zurück

Lady Di oder Die Königin der Herzen

Eine Farce vom Begehren

mit Margot Binder, Maxi Blaha , Helmut Fröhlich , Matthias Hack , Ingrid Höller , Theo Helm , Eckart Schönbeck
Regie: Robert Pienz
Bühne: Michaela Mandel
Kostüme: Ragna Heiny
Lichtgestaltung: Hubert Schwaiger
Musik: Wolfgang Peidelstein
Uraufführung: 16.05.2007 Saal

Im August 2007 ist es 10 Jahre her, dass Lady Di, die Princess of Wales, bei einem Autounfall in Paris ihr noch junges Leben lassen musste. Und somit an der Zeit, der "Königin der Herzen" endlich die Huldigung angedeihen zu lassen, die ihr zeitlebens im Kreis der "royal family" verwehrt wurde. In Franzobels Interpretation des königlichen Stoffes treffen wir in der Küche des Buckingham Palace während der Krönung von Prinz Charles noch einmal auf die Prinzessin selbst, den Prinzen mit den großen Ohren, seinen Bruder, den verrückten und gierigen Prinzen Andrew, auf Dodi und Camilla, die große Kompotthütte sowie auf die Queen und ihren Lakaien - allesamt verkörpert von der Dienerschaft der Royals. Und: Sie sprechen mit Pflaumen im Mund.

Fotos

Sujet: Dini Hroß
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger

Pressestimmen

Royal Underground 

Reinhard Kannonier, Der Standard, 19.05.2007

Mit "Lady Di oder Die Königin der Herzen" gedenkt Franzobel rechtzeitig zum zehnten Todestag der berühmtesten Prinzessin der Welt: eine Küchen-Kabinett-Farce. 

Linz - Ein Fleischermeister, eine Frauenklinik und ein Partyservice als Materialsponsoren für ein Theaterstück - das deutet auf deftige Kost hin. Tatsächlich wäre Ihre Majestät The Queen mit Sicherheit "not amused" über solche Dezennien-Hommagen, selbst wenn sie Lady Diana zu Lebzeiten und vielleicht auch noch danach am liebsten zum Teufel gewünscht hätte. 

Zum zehnten Todesjahr setzte Franzobel im Theater Phönix der zur Ikone gewordenen Prinzessin ein Denkmal der besonderen Art: Lady Di oder Die Königin der Herzen , eine Farce vom Begehren, hat das Zeug zu veritabler Unterhaltung. Nicht ohne Zutun des Standard, der 1997 Franzobel um einen Text zum Tod von Lady Di ersuchte: "Seither geistert sie als Gespenst durch meine Gehirngänge." 

Das Gespenst ist nun in großteils spritziger Textform auf- und als Bühnenstück gleich wieder abgetaucht: in die unterirdische Küche des Buckingham Palace. Dort, wo die unsichtbaren Küchengeister Schwäne ausnehmen, Aale häuten, Fleisch hacken und Würste aus der Selchkammer holen, bevor sie auf Silber in königlichen Mäulern verschwinden, entfaltet Franzobel Parallelwelten. 

Küchen-Keller-Royals 

Das Küchenpersonal ist nämlich identisch mit der Royal Family und kocht die Geschichte von Charles, Diana, Camilla & Co aus seiner Sicht frisch, deftig, aber keineswegs nur an der Oberfläche neu auf. Es gibt viele Zoten und starke Bilder; aber auch Liebe, Begehren und Einsamkeit - solches geht schon an den Topfboden der Existenz.

Kräftig gewildert wurde bei der Rohstoffbeschaffung in Genres wie Märchen, Volksstück, Parodie und Tragödie. Aber einmal kurz durchgesprudelt, und die Mischung stimmt. Wohl auch deshalb, weil Franzobel mit seiner geballten sprachlich-gedanklichen Virtuosität rasche Wechsel (zwischen Dialekten und Hochsprachen, Pathos und Understatement, Gespreiztheit und Vulgarität) und unterschiedliche Rhythmen vorgibt, die trotz der Komplexität das gesamte Menü gut abgeschmeckt und leicht verdaulich auf den Tisch stellen. 

Robert Pienz (Regie) nahm diese Melange lustvoll auf, kürzte richtigerweise den Text und richtete ihn szenisch so her, dass aus der zuweilen etwas langatmigen Farce ein flottes Kaleidoskop wurde. Er inszeniert auf der von Michaela Mandel pragmatisch gebauten Bühne die Albträume der Diana ebenso plastisch-distanziert wie ihren Notsex mit dem Lakaien oder die prächtige Schwanausweidung der Camilla. Ein Vergnügen sind die markanten Gesangseinlagen; wie überhaupt Wolfgang Peidelstein für kurzweilig punktgenauen Sound sorgt.

Das Ensemble begibt sich mit sichtbarem Vergnügen und beachtlichem Einsatz in die Innereien des Buckingham Palace: Margot Binder als verzweifelt-schrille, auseinanderdriftende Lady Di, der souveräne Helmut Fröhlich als Dodi-Vater mit dem langen Messer, Eckart Schönbeck, der dem ewigen Prinzen Charles genau jene bekannten Punzierungen auf die Figur drückt, die das Original lebenslang begleiten, die großartige Queen der Ingrid Höller, Maxi Blaha als dominante Camilla, Theo Helm (Prinz Andrew), Matthias Hack als cooler Lakai. 

Das Shakespear'sche Morden und Selbstmorden am Ende entpuppt sich als bloß scheinbares, denn die Toten stehen wieder auf. Das echte Finale ist hingegen very british: Wer will noch eine "cup of tea"? Eine solche wollen wir, ja.

Querverkehr im Fuckingham Palace 

Irene Judmayer, OÖN, 18.05.2007

Unterhaltungsgarant im Kindertheater: die Verwendung "verbotener" Wörter wie etwa "Scheiße" oder "Arsch". Auch im Erwachsenentheater funktioniert dieser Mechanismus. Autor Franzobel strapazierte ihn beim Phönix-Auftragswerk "Lady Di" über Gebühr. Ansonsten fiel ihm nur wenig dazu ein. 

"Brunzzeug, Fuckingham-Palace, Duttelspreizer". Mit diesen Beispielen aus der Fundgrube Franzobelscher Köderfischli ist der wesentliche Gehalt seiner "Farce vom Begehren" auch schon definiert: enttäuschend, dass ihm zu "Lady Di", einem Auftragswerk des Linzer Theaters Phönix, nicht mehr eingefallen ist, als die biographische Leitlinie des Diana-Daseins mit banaler Fäkal- und Genitaldramatik zu würzen. 

Was hab ich mich da gesehnt nach der deftigen Dramatikerpranke eines Werner Schwab (1958-1994). Bei dem hatte selbst noch die luftigste Metapher zynisch blitzende Skalpellschärfe und der ordinärste Wortgriff in den Schritt psychologische Stringenz. 

Personal spielt "Royals" 

Franzobel hingegen bleibt bei diesem Text, der am Mittwoch im Theater Phönix uraufgeführt wurde, auf der plakativen Oberfläche hängen. Zusammengestoppelt aus bekannten ländlichen Redensarten und einer Prise üblicher franzobeliger Wortspielerei lässt er das Palastpersonal die "Royals" spielen. Liegt es an seiner derzeit inflationären Uraufführungspräsenz, dass das Ganze ausgelutscht wirkt? Der Ablauf berechenbar, jedes Witzchen eh scho' wissn... 

Dass das Publikum trotzdem dankbar zugreift, liegt wohl an der grundsätzlichen Fadesse dieses Textes, der ein bissl wie ein Popsong aufgebaut ist: da gibt es Chorpassagen, es gibt Refrains, es gibt Soli und dazwischen plätscherts dahin auf einer ebenfalls etwas uninspiriert wirkenden Bühne aus Großküchen- und Palastzitaten (Michaela Mandel). 

Szenisches Geschick 

Dass man sich streckenweise doch gut unterhalten kann, liegt erstens an der Regie von Robert Pienz. Sein szenisches Geschick vermittelt zumindest zeitweise jene Bösartigkeit, die Franzobels "Farce" über die "Königin der Herzen" fehlt. Auch Wolfgang Peidelsteins Klangmontagen zwischen treibenden Nyman-Filmsounds und tänzerischer Renaissance heben als pointierte Illustratoren die Stimmung. Der temporär guten Unterhaltung zweite Basis liefern zwei Phönix-Urgesteine: Diese "Queen" von Ingrid Höller ist beinharte darstellerische Maßarbeit, in bravouröser Leichtigkeit serviert. Selbst banalsten Untiefen verleiht Höllers komödiantische Urkraft den nötigen Druck, um unser Zwerchfell heftig zu massieren. 

Starke Momente 

Ebenso Helmut Fröhlichs "Dodivater": der Inbegriff herzhafter doppelbödiger Satire. Margot Binder traf bei der Uraufführung ihre "Di" zu realdramatisch, ihren Ausbrüchen fehlte die Persiflage. Eckart Schönbecks "Charles" blieb konturlos wie das Original, der "Andrew" von Theo Helm hysterisch statt durchtrieben. 

Sehr starke Momente hatte jedoch Matthias Hack als "Lakai", ebenso Maxi Blahas "Camilla": Besonders in der Sub-Ebene betätigte Blaha beim Ausnehmen eines Schwans nonstop und punktgenau ihre semi-ekeligen Auslöser für diverse Lach-Ausbrüche. 

Franzobel kann froh sein über diese szenische "Di"-Bearbeitung. Sein Text allein hätte die eineinhalb Stunden nicht gehalten. 

Ein wortgewaltiger Küchenchor 

Claudia Tröster, Krone, 18.05.2007

Uraufführung von Franzobels „Lady Di“ im Linzer Phönix: 

„Lady Di – die Königin der Herzen“ erfährt zehn Jahre nach ihrem Tod im Linzer Theater Phönix eine besondere Würdigung. In den Worten Franzobels, der Regie von Robert Pienz und von einem (Küchen-) Ensemble, das am Mittwoch mit einer beachtlichen Geschlossenheit für eine unterhaltsame Uraufführung sorgte. 

Das Küchenpersonal des Buckingham Palace lässt Dianas Leben und Sterben Revue passieren. Im Stück-im-Stück treten neben Di Prinz Charles und seine Camilla, die Queen, Prinz Andrew und der Vater von Dodi Al-Fayed auf. Franzobel legt ihnen Wortspielereien, Anspielungen auf KönigInnen-Dramen und –Komödien sowie die Yellow-Press, Deftiges und Skurriles in den Mund. Regisseur Robert Pienz hat das Stück auf unterhaltsame gut eineinhalb Stunden gekürzt. Die Küche (Michaela Mandel) unterstreicht das Skurrile und bietet eine variable Spiel-Plattform. 

Getragen wird das Stück aber von der beachtlichen Gesamtleistung des Ensembles: Margot Binder hat alle Facetten Dianas drauf, Eckart Schönbeck ist ein hinreißender Prinz Charles, Maxi Blaha glänzt als Camilla. Theo Helm (Andrew) und Matthias hack (Lakai) sind fürs Hinterhältige zuständig. Eine Klasse für sich: „Queen“ Ingrid Höller (samt Hund Pupsi) und „Dodivater“ Helmut Fröhlich!

Diese "königliche Soup-Opera" ist weder Fisch noch Fleisch

Birgit Thek, Neues Volksblatt, 18.05.2007

Uraufführung des Auftragswerks „Lady Di — Eine Farce vom Begehren“ von Franzobel am Linzer Theater Phönix 

Auf die Frage, was ihn an dem Stoff für sein neuestes Stück „Lady Di“ gereizt habe, wusste Autor Franzobel im Vorgespräch vielerlei anzuführen: dass ihn die Welt der „Royals“ mit ihren vorgegebenen Typen inspiriert habe, aber auch das Faszinosum der unverbrüchlichen Liebe Prinz Charles' zu Camilla, obwohl er die Ikone des ausklingenden 20. Jahrhunderts als Frau an seiner Seite hatte.

Der zweiten Ebene fehlt es an Substanz 

Um das medial sattsam ausgeschlachtete Unglück der „Königin der Herzen“ als so genannte „Soup-Opera“ für die Bühne aufzupeppen, lässt Franzobel die Figuren als „Spiel im Spiel“ in der Großküche des Palasts agieren, wo sie im derbsten Dialekt Dianas Unfalltod kommentieren. Andererseits sehen sie sich in den Rollen der „Hoheiten“, die — wie ergreifend für Leserinnen von Klatschpostillen — zwar abgehoben, aber doch auch „menschelnd“ zutiefst unglücklich sind ... 

Angestrebt hat Franzobel für „Lady Di“ die „richtige Mischung aus sich anbietender Satire und berührendem Ernst“, doch schon beim Lesen des Textes stolpert man vor allem über die Plattitüden im Zitieren der bekannten intimen Geheimnisse und der leeren Worthülsen, die Charles für Camilla parat hat. Robert Pienz tat mit seiner Inszenierung das Seine dazu, dass weder die Ironie noch die Tragik wirklich aufging: 

Die Farce hätte eine subtile Zuspitzung durchaus vertragen und so kam bei der Uraufführung am Mittwochabend beim Publikum nur vereinzelt Schmunzeln auf. Wie Fremdkörper wirkten dabei die Chor-Elemente in altertümelndem Deutsch in Anlehnung an die antike Tragödie. 

Auch Margot Binder als blasser Barbie-Puppen-Verschnitt von „Diana“ verschenkte die raren Momente der Poesie, die ihr Franzobel beim Aufbegehren gegen ihr Sterben zugedacht hat. Vom Charisma der Prinzessin, das Millionen über ihren Tod fast hysterisch verzweifeln ließ, war hier kein Fünkchen zu spüren. Eckart Schönbeck als „Charles“ hatte ebenfalls mit seiner undankbaren Rolle zwischen Lächerlichkeit und „Funktionieren-Müssen“ zu kämpfen. Maxi Blaha war eine rollengerechte Camilla, Helmut Fröhlich mimte den „Dodivater“ und einzigen Diana-Verehrer unter dem Küchenpersonal.

Den Tonfall der Farce fand am besten Ingrid Höller als „Queen“, treffend auch „Lakai“ Matthias Hack, der das Geschehen lakonisch kommentierte. Schon vom Autor her erhielt Thomas Helm als Prinz Andrew, der Charles den Thron neidet, fast Shakespearsches Intriganten-Format. Zum anvisierten Saison-Höhepunkt im Phönix fehlte der „königliche Suppe“ aber doch mehr als nur eine kräftige Prise Gewürz. 

Uraufführung von Franzobels „Lady Di“ im Theater Phönix Liebesqualen im Fuckingham Plalace

Christian Pichler, Österreich, 18.05.2007

Franzobels Sprachwitz, ein tolles Ensemble: Die Farce über die „Königin der Herzen“ berührt und erheitert. 

Linz. Diana liebt diesen ewigen Thronfolger Charles wie … wie Fiona ihren Karl-Heinz. Mythos prallt auf Realität. Diana, Projektionsfläche für unerfüllte Sehnsüchte von Millionen Menschen. Tatsächlich eine einsame, ungeliebte Frau, die sich ständig erbricht und nach Kotze stinkt, wie der Prinzgemahl gerne beklagt. 

Uraufführung von Franzobels Lady Di oder Die Königin der Herzen in der Regie von Robert Pienz war mittwochs im Linzer Theater Phönix. Anders als Farce lässt sich die Geschichte Dianas wohl kaum erzählen. In einer Großküche zerreißen sich die Bediensteten das Maul über die tote Prinzessin. Eine „Trutschn“ sei sie gewesen, magersüchtige Ex-Kindergärtnerin. 

Machtgeile Zicke. Das Personal spielt in der Folge die Tragödie Dianas nach. Ein heillos überforderter Charles (Eckart Schönbeck) stammelt „Honig“ statt „König“, das englische Königshaus mutiert zum „Fuckingham Palace“. Eine hinreißende, traurige Lady Di (Margot Binder) verführt den Lakaien (stoisch witzig: Matthias Hack), um das eifersüchtige Tier im Gemahl zu wecken. Die Queen, eine spitzzüngige Ingrid Höller, lenkt ihre erotische Energie auf das Hundsviecherl „Pupsi“. Helmut Fröhlich, der auch den „Dodivater“ spielt, schwingt bedrohlich das Küchenmesser. Theo Helm fädelt als Prinz Andrew raffiniert Intrigen gegen den verhassten Bruder Charles ein. Maxi Blaha als Camilla: machtgeil, alterndes Zickenwunder.

Spektakulär Michaela Mandels Bühne: eine Treppe, die sich wie ein Drachenmaul öffnet und schließt – der massenmediale Schlund verschlingt seine Opfer. Langer Applaus, ein schöner und kurzweiliger Theaterabend.