Sujet: Dini Hroß
zurück

6 and Crime

mit Margot Binder, Helmut Fröhlich , Ingrid Höller , Patrick Huber , Eckart Schönbeck
Regie: Georg Staudacher
Bühne: Gerhard Fresacher
Kostüme: Linda Redlin
Lichtgestaltung: Gerald Kurowski
Musik: Wolfgang Peidelstein
Uraufführung: 31.01.2006

„Mörderisches“ aus der individuellen Sicht von 6 GegenwartsautorInnen: In ihren Kurzdramen gehen sie Mord und Totschlag, Täter und Opfer, Indizien und falschen Fährten auf den Grund und zeigen Verbrechen aus unterschiedlichsten Perspektiven, aus unterschiedlichsten Motiven. 

Sie wurden begangen, werden begangen oder sind begangen worden, werden aufgeklärt oder nie entdeckt, die Schuldigen vor Gericht überführt oder in Freiheit entlassen. 

Von schwarzhumorigen Krimikomödien und -satiren bis hin zu Psychokrimis und Psychodramen spannt sich der Bogen dieses   packenden und unterhaltsamen Dramensamplers. 

Folgen Sie der Spur der Verbrechen durch 6 verschiedene Spielräume des Theater Phönix, wo zahlreiche Leichen Ihren Weg säumen, und tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der menschlichen Abgründe. 

 

BALKON*

Dieser mörderische Dramensampler hält das ganze Theater in Atem: Wir haben für diesen spannenden Abend auch eine spannende Raumlösung gewählt. Die Spur des Verbrechens zieht sich durch das gesamte Theater Phönix: Folgen Sie den MörderInnen vom Balkon ins Studio, weiter auf die Seitenbühne, in den Saal, ins Foyer und wieder zurück auf den Balkon!

Fotos

Sujet: Dini Hroß
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger

Pressestimmen

Sechs auf einen Streich

Silvia Nagl, OÖN, 02.02.2006

THEATER : "6 and Crime" im Linzer Phönix 

Sechs Uraufführungen von österreichischen Autoren innerhalb von zwei Stunden: allesamt Auftragswerke des Linzer Theater Phönix zur Thematik "6 and Crime". Premiere war am Dienstag. 

Naturgemäß wurden sehr unterschiedliche Beiträge, sowohl thematisch und genremäßig als auch von verschiedener Güte und Qualität, geliefert. 

Regisseur Georg Staudacher, selbst auch im Autoren-Sixpack dabei, hatte die schwierige Aufgabe, die sechs Stücke mit einem roten Faden zu verbinden, gleichsam aus den Puzzleteilen ein Gesamtbild zu formen. Das ist ihm wunderbar gelungen. 

Den roten Faden hat er wörtlich genommen, der zieht sich für das Publikum sichtbar als rotes Band mit der Aufschrift "Danger" durch das ganze Theaterhaus, das die Zuseherschaft von Tatort zu Tatort durchwandert. Geleitet von einer sprachlosen, aber doch beredten Figur (Patrick Huber), die mit blutroten Händen, ebensolchen Strizzi-Schuhen und Zombie-Kontaktlinsenaugen die Tour vorgibt. Das Rot findet sich auch in Details der ansonsten schwarzen Kleidung der Schauspieler wieder. Weiterer Hauptdarsteller ist die Musik von Wolfgang Peidelstein, die vom TV-Serienkrimi bis zum Film noir zitiert und persifliert: aufregend und spannend. Das Schauspielteam Ingrid Höller, Helmut Fröhlich, Margot Binder und Eckart Schönbeck ist eifrig, mit viel Energie und auch Körpereinsatz am Morden, Vertuschen oder Aufdecken. Schlüpft in viele Figuren und Charaktere in einem bunten Stücke-Reigen. 

Drama bis Parodie 

Als da wären: Familienhölle mit mehrfach fatalem Ausgang ("Ichi-ni-San" von Georg Staudacher), skurrille Graböffnung und Menschwerdung eines Schneemanns ("Grubenhunde" von Adelheid Dahiméne), Spielarten des Mordens ("Jedem das Seine" von Margret Kreidl), das genau gezeichnete Psychogramm einer älteren Frau ("Würde" von Matthias Wittekindt), die knappe Poesie ("Vorneweg" von Alexander Pöll) und die Soko-Parodie trifft auf Beckett-Figuren ("Zeugen" von Antonio Fian). 

Keine Mordsgaudi, aber mit Unterhaltungsfaktor.

Auf Spannung wartet man aber vergeblich

Birgit Thek, Neues Volksblatt, 02.02.2006

„6 and Crime“ am Linzer Theater Phönix: Unausgegorener Minidramen-Sampler leidet vor allem an der Umsetzung 

Verbrannt, erdolcht, erwürgt, erschossen, vergiftet, erstickt: Alle nur denkbaren Arten, unsanft zu Tode zu kommen, werden in der Phönix-Produktion „6 and Crime“ bemüht, die am Dienstagabend uraufgeführt wurde. Sechs Autorinnen und Autoren ließen dafür ihre mörderischen Fantasien spielen. Und an sechs „Tatorten“ (vom Foyer bis zum Juchhe des Hauses) kann sich das Publikum das mehr oder weniger blutige Geschehen zu Gemüte führen. Das Gemüt aber bleibt trotz all dieses Aufwandes unbeteiligt, wobei das weniger an den unterschiedlichen Textvorlagen von Adelheid Dahimène, Margret Kreidl, Matthias Wittekindt, Alexander Pöll, Antonio Fian und Georg Staudacher liegt. Denn letzterer hat in seiner Funktion als Regisseur des Abends allzu tief in die Kiste des Grotesken gegriffen. Dahimènes erbschleicherische „Grubenhunde“ erinnern dadurch ebenso wie seine eigene Psychodrama-Parodie oder Kreidls spielerische Todesvariantenabfolge an einst selbst „verbrochene“ Sketches bei Schulschikursen. Auch das Potenzial von Antonio Fians „Zeugen“ verpufft duch das affektierte Getue, zu dem Eckart Schönbeck angehalten ist. Und Alexander Pölls Skateboarder-Studie „Vorneweg“ wird durch die schrille Maskierung der Darsteller (Helmut Fröhlich, Margot Binder, Ingrid Höller, Eckart Schönbeck und Patrik Huber, der meist nur wie ein Schlafwandler durch die Szenen geistern darf) völlig verfremdet. Einzig Matthias Wittekindt schaffte es, um die „Würde“ einer sex- und mordaktiven Fünfzigerin, der das Gericht die Rolle des Opfers zuweist, ein Szenario zu entwickeln, das wirkliches Interesse zu wecken versteht.

Viele Tote, aber wenig Spannung

Milli Hornegger, Krone, 02.02.2006

Im Linzer Phönix-Theater ist man „6 and Crime“ auf der Spur 

„Bei einem Krimiautor ist das Böse in guten Händen“, ätzte kein Geringerer als Loriot. Und genau das scheint das Problem, der jüngsten Premiere im Linzer Phönix zu sein: „6 and Crime“ sind sechs Kriminaldramolette von sechs SchriftstellerInnen mit ungezählten Toten – aber die rechte Krimipranke ist nicht dabei: viele Opfer, wenig Spannung. 

Am meisten berührt von den sechs Stücken hat mich Matthias Wittekindts „Würde“, am meisten irritiert „Vorneweg“ von Alexander Pöll. Mit dabei im Leichenreigen sind noch Adelheid Dahimènes „Grubenhunde“, Margret Kreidls „Jedem das Seine“, Antonio Fians „Zeugen“ und Georg Staudachers „Ichi ni san“. Georg Staudacher führt auch Regie an diesem buchstäblich bewegenden Abend. Die ZuseherInnen müssen sich die „Tatorte“ nämlich ergehen. Knapp zwei Stunden lang wandert man zwischen Balkon, Studio, Seitenbühne, Foyer und Saal hin und her, quasi den Mördern auf der Spur. Sehr elegant ist das nicht gelöst, eher ein lästiges Stolpern im Finstern als ein Spannungselement. 

Eine hinreißend sprachlose Leich' in Variationen gibt Patrik Huber. Helmut Fröhlich, Margot Binder, Ingrid Höller und Eckart Schönbeck komplettieren das Mords-Ensemble.

Ambulante Kurzkrimis

Christian Hanna, OÖ Kulturbericht, 01.03.2006

Ein Tatort-Absperrband zieht sich durchs Theater Phönix und markiert die Spur der Morde, 6 and Crime – ein mörderischer Dramensampler von 6 Autor/innen wird an fünf verschiedenen Spielorten im Haus uraufgeführt. In Ichi-ni-san von Georg Staudacher auf dem Balkon wird die in der Familienaufstellung nachgespielte Katastrophe dank des Gurus jedes Mal noch ein bisserl katastrophaler; Adelheid Dahimènes Grubenhunde wühlen sich im Studio ins Grab des reichen Onkels, weil da was zu holen sein soll, aber dann ist da dieser Schneemann,...; Jedem das Seine vergönnt Margret Kreidl auf der Seitenbühne, nämlich jedem eine der schönen klassischen Todesarten; Würde wird im Saal bei Matthias Wittekindt einer geständigen Täterin geraubt, indem sie beim Verhör zum Opfer gemacht wird; im Foyer sind bei Alexander Pöll einige Skater Vorneweg beim Kindsmord; mit Antonio Fians Szene Zeugen – ein Schriftsteller und seine Frau verwirren mit ihren Zeugenaussagen die Kommissarin – schließt sich der mörderische Kreis am Balkon. Die recht unterschiedlichen Kurzdramen bieten durchwegs unterhaltsamironische Mordgeschichterln; Ausnahmen bilden die Texte Wittekindts – das Psychogramm der Täterin, die von den verständnisvollen Verhörenden zum Opfer vergewaltigt wird – und Pölls, der Beziehungsunfähigkeit und Verantwortungslosigkeit einer lost generation thematisiert. Georg Staudacher führt auch Regie und schafft es, jede Szene für sich eigenständig wirken zu lassen; zusammengehalten werden die Szenen vom wortlosen Patrik Huber, der das Publikum mit seinem Megaphon von Tatort zu Tatort führt, treibt und immer wieder auch als Leiche fungiert. Margot Binder, Ingrid Höller, Helmut Fröhlich und Eckart Schönbeck morden und werden ermordet, gestalten Leichen wie Mörder offensichtlich lustvoll. Gerhard Fresacher gestaltete die Schauplätze funktional – leichenbeseitigungsfreundlich, Linda Redlins Kostüme in Schwarz und Weiß mit roten Akzenten greifen die Symblik auf.