Sujet: Dini Hroß
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Neue Heimat

Ein Sommerkrimi

mit Klaus Beyer, Helmut Fröhlich , Ingrid Höller , Werner Landsgesell , Sebastian Pass , Brigitta Waschnig
Regie: John F. Kutil
Bühne: Michaela Mandel
Kostüme: Alfred Mayerhofer
Lichtgestaltung: Stefan Pfeistlinger
Soundtrack: Wolfgang Peidelstein
Uraufführung: 13.05.2004 Saal

Es ist Sommer in der Stadt! Und endlich wieder Zeit, den Griller anzuwerfen. Auch im Kinderdorf "Neue Heimat" geht es heiß her. Frau Höller, die Mutter aller Mütter, möchte die bevorstehende Pensionierung im Kreise ihrer Liebsten feiern. Siegfried, Hermann, Joseph und Eva, ihre nunmehr erwachsenen Kinderdorf- Kinder, treffen nach und nach ein, um Mutter Höller ihre Ehrerbietung zu erweisen. Als Geschenk bringen sie ihre erste HÖLLER-CHOR-CD mit: SOS-Sänger ohne Schranken. 

 

Doch was als friedliche Grillparty und fröhliches Familienfest beginnt, nimmt wenig später ein tödliches Ende. Und jeder kann der Mörder sein...

Fotos

Sujet: Dini Hroß
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger
© Christian Herzenberger

Pressestimmen

Wo wilde Worte wahllos wuchern

Irene Judmayer, OÖN, 15.05.2004

THEATER PHÖNIX: Andy Hallwaxx' "Neue Heimat" uraufgeführt 

Jå, mei. Wie ist es bloß zu erklären, was uns das Linzer Theater Phönix mit seiner 5. Uraufführung der aktuellen Saison seit vorgestern serviert? Wie diese Fülle bloß auf einen Nenner zu bekommen? Versuchen wir es mit einem Beispiel aus dem Küchendeutsch: Nehmen Sie einen großen Topf. Verbinden Sie sich die Augen. Wühlen Sie in Ihren prall gefüllten Vorratsschränken. Werfen Sie alles, was sich irgendwie passend anfühlen könnte, in den Topf. Kräftig durchmixen, ein paar Spritzer Chilisauce dazu, bei mittlerer Temperatur 2 Stunden backen. Fertig. Auf den Tisch damit. Mit viel Plaka-Tiefen 

Ihre Gäste werden auf so manche Überraschung stoßen. Manchmal wird ihnen das Zeug in den Zahnlücken kleben, manchmal wird's ohne Geschmack durch die Gurgel rinnen, manchmal durch scharfe Würze brennen. Aber keine Angst: Die wilde Mixtur wird nicht im Magen liegen. Genauso scheint "Neue Heimat" aufgebaut, das brandneue Stück des burgenländischen Bühnen-Multitalents Andy Hallwaxx. Nicht umsonst lässt er seine Hauptfigur irgendwann mittendrin sagen: "In Gott's Nam', dann fress ma's zsamm'". Literarisch ist das Stück ebenso unbeschwert wie unbedarft, werkt mit viel Plaka-Tiefen. Manchmal auch mit genialen Einsprengseln wie dieser: "Rosinen sind gedemütigte Weintrauben." 

Sommer-Cocktail 

Was wir da "in Gott's Nam'" optisch/akustisch "zsammfressen", ist somit nicht nur ein Sommerkrimi rund um die ihre Pensionierung begrillende Kinderdorfmutter Leni Höller. Nein. Wir sehen und hören nebst vielen anderen Zitaten aus Film, Funk und Fernsehen: Pippi Langstrumpf. Wir sehen/hören: die Waltons. Wir sehen/hören: Richard Wagner. Wir sehen/hören: Hitchcock. Wir sehen/hören: Star Trek. Wir dämmern mit den Göttern in Nibelheim. Wir sehen Linzer Lokalkolorit quer durch die Jahrzehnte. 

Mit seiner Inszenierung outet sich Regisseur John F. Kutil als einer, der ein Nahverhältnis zum TV-Trash-Kabarett wie "MA 2412 " oder "Tohuwabohu" ebenso pflegt, wie zur Philosophie des Anarcho-Films "Muttertag" und zum Absurd-Pop eines Helge Schneider. 

In der blendend die 60er persiflierenden Ausstattung von Michaela Mandel (Bühne) und Alfred Mayerhofer (Kostüme) und dem pointierten Musik-Mix von Wolfgang Peidelstein entwickelt Kutil so etwas wie einen nach "Fizzers" prickelnden Sommer-Cocktail. Herrliche Persiflage 

Punktgenau das Casting der Charaktere: Eine prächtige Ahnfrau der Mutterliebe zeichnet Ingrid Höller. Ihre herrliche Persiflage der Ewig-Kulturstadt Linz ist allein schon einen Theaterbesuch wert. Grandios auch Helmut Fröhlichs darstellerischer Brückenschlag vom verbitterten Kinderdorfvater zur geschwätzigen Nachbarin. Penetrant bis witzig als missratene, mitunter frisch, fröhlich, frei singende Kinder: Brigitta Waschnig, Werner Landsgesell, Sebastian Pass und Klaus Beyer. 

"Neue Heimat" ist ein Cocktail, wie gesagt. Cocktails mag man, oder nicht. Ich mag sie.

Die drei großen R und das geheimnisvolle Tagebuch

Birgit Thek, Neues Volksblatt, 15.05.2004

Uraufführung von Andy Hallwaxxs „Neue Heimat“ imTheater Phönix: Krimiklamotte mit Regionalbezug 

Ruhe, Regelmäßigkeit und Reinlichkeit: Das sind die Werte, die Kinderdorfmutter Höller den ihr Anvertrauten vermitteln wollte. Nun steht ihr Abschied bevor, der im Kreise ihrer „Kinder“ gefeiert werden soll. Neben Herrn Höller haben sich der hoffnungsvolle Jungpolitiker Siegfried, der werdende Priester Hermann und der PR-Mann Joseph, der hinter jeder Frau her ist, eingefunden. Und da ist noch die von allen ungeliebte Eva (die Ausstatterin Michaela Mandel zusätzlich zum dodeligen Hascherl verunglimpft). - Das ist das klischeeträchtige, aber mit sicheren Lachern gebaute Szenario, das Hallwaxx in enger Zusammenarbeit mit dem Phönix-Team entwickelte. Als Ausgangspunkt für einen „Sommerkrimi“, der in der hoffentlich bald warmen Saison die Besucher anziehen soll. Zu deren sichtlichem Vergnügen bei der Premiere am Donnerstagabend weist das Stück zahlreiche lokale Anspielungen auf: vom Namen der Hauptfigur, die von Ingrid Höller als Frau zwischen verzweifeltem Ehrgeiz und enttäuschten Hoffnungen verkörpert wird, bis zur Linzer Mini-U-Bahn. Der Autor, wie auch Regisseur John F. Kutil, haben jedoch reichlich viel in das mörderische Spiel um den plötzlich tot umkippenden Herrn Höller (Helmut Fröhlich) und das Rätseln über seinen Mörder verpackt: von den — teilweise durchaus witzigen — Sangeskünsten des „Höller-Chors“ bis zur in die Klamotte kippenden Suche nach Höllers Tagebuch, dessen Auftauchen alle fürchten. Der Spaß, den Helmut Fröhlich, Werner Landsgesell, Sebastian Pass, Klaus Beyer und Brigitta Waschnig beim Outrieren vermittelten, übertrug sich bei der Uraufführung vor allem auf lachwillige Zuschauer, die keine Scheu vor kräftiger Überzeichnung hatten.

Mörderisches Grillfest 

Claudia Tröster, Krone, 15.05.2004

Sommerkrimi im Linzer Theater Phönix 

Der Sommerkrimi „Neue Heimat“ von Andy Hallwaxx im Linzer Theater Phönix kommt in vielen Verkleidungen daher: als Grillfest, als Edgar Wallace-Parodie mit Karaoke, als Entlarvung einer Kinderdorfmutter – und als im zweiten Teil leider überfrachtetes, sonst aber recht unterhaltsames Theaterstück. 

„Neue Heimat“ bietet zwei Phönix-Größen eine wunderbare Bühne, sich auszuleben. Ingrid Höller als Frau Höller, Kinderdorfmutter aus Leidenschaft, und Helmut Fröhlich als ihr Ehemann im Rollstuhl sind unübertrefflich – in witzigen Momenten ebenso wie in bitteren. Die Kinder Siegfried (Werner Landsgesell), Hermann (Sebastian Pass), Joseph (Klaus Beyer) und Eva (Brigitta Waschnig) wirken dagegen beim Grillfest anlässlich von Frau Höllers Pensionierung nur als (singende) Staffage. 

Los geht es in der flotten Regie von John F. Kutil und im kitschig-skurrilen Bühnenbild von Michaela Mandel in bester Krimi-Manier. Gibt es vorerst nur ein paar tote Gartenzwerge, häufen sich im zweiten Teil des Abends die Leichen. Jeder verdächtigt jeden. Zur Entlarvung der heilen Welt hätte es für mich Mutter Höllers Wahnsinnsszene gar nicht mehr gebraucht, zur Unterhaltung auch nicht.

Gartenzwergtod

, Der Standard, 25.05.2004

Ein Grillfest, eine Edgar-Wallace-Parodie mit Karaoke und die Entlarvung einer Kinderdorfmutter verbirgt sich im Sommerkrimi Neue Heimat von Andy Hallwaxx: Sind es anfangs nur ein paar tote Gartenzwerge, häufen sich bald die Leichen. Im Zentrum der Handlung steht Kinderdorfmama Frau Höller (herrlich gespielt von Phönix-Größe Ingrid Höller), die sich mit einem Grillfest im Kreise ihrer erwachsenen Kinderdorfkinder in den Ruhestand verabschiedet.

Der Tod grillt mit

Christiane Höller, Online Rundschau, 31.05.2004

Theaterfans aufgepasst! Die Glücksfee hat Tickets für euch parat! Und zwar für „Neue Heimat“, dem Sommerkrimi im Phönix-Theater... 

Sommerzeit ist Krimizeit. Nicht weil es sich im Sommer schöner stirbt, oder die Hängematte ohne Grusel nur halb so verlockend wäre, sondern weil das Linzer Theater Phönix zum freundlichen Morden einlädt. 

Schwarz wie heißer Espresso und ebenso stark ist der Humor in „Neue Heimat“ von Autor Andy Hallwaxx. Regisseur John F. Kutil hat das Phönix-Ensemble in tödlicher Harmonie zusammengeholt, um aus Krimielementen, Musical-Einlagen und picksüßem Kitsch beste Sommerunterhaltung zu mischen. 

Rästelratend in die Pause 

Frau Höller, Kinderdorfmutter mit nicht ganz so sauberer Weste, dankt ab. Stilvoll mit Gartenparty und Knacker am Plastikteller wird sie von „Nachwuchs“ und Ehegatten in den Ruhestand gefeiert. Die keimfreie Idylle endet jedoch jäh, als ein Familienmitglied aufgrund unerwartetem Ablebens die Nachspeise nicht mehr genießen kann. Die mögliche Täterschaft ist überschaubar klein und das Rätselraten kann beginnen. 

Dramaturgisch brillant entlässt John F. Kutil das Publikum mit der Erkenntnis in die Pause, dass der Mörder zwar nicht der Gärtner ist, sonst aber so ziemlich jeder in Frage käme. Ganz Krimi, haben alle Beteiligten an der verhängnisvollen Gartenparty ein Tatmotiv. Ebenso ganz Krimi bleibt das Rätselraten bis zum blutigen Schluss spannend. 

Investigativ talentierte Zuseher werden das Ränkespiel zwar schnell durchschaut haben, können sich dann aber an der bitterbösen Inszenierung freuen. Daumen hoch auch für den bissigen Linz-Bezug des Stückes, der zwischendurch auch schon mal die wahnwitzigen Pläne so mancher Stadtväter aufs Korn nimmt. Mit „Neue Heimat“ hat das Phönix einmal mehr bewiesen, wie Theater am Puls der Zeit sein muss und dass Krimis nicht zwangsweise in die Hängematte gehören.