zurück

DREIECKSGESCHICHTEN

26.01.2018

Doch es gibt auch stabile Arrangements zwischen allen Beteiligten über Jahre. Dreiecksbeziehungen liegen teils offen zutage, andere werden konsequent versteckt oder sorgfältig geleugnet. Nicht selten sind die Motive nicht bewusst und können nur aus dem Beziehungskontext vermutet werden.
Nun sind aber Dreiecksgeschichten bei Weitem nicht nur auf erotische Vorlieben der Menschen konzentriert. Es kann selbstverständlich auch Dreiecksbeziehungen in der Politik geben. Ein Politiker könnte sich in einer berührenden, vom Volk bejubelten, politischen Liaison mit einem anderen Politiker befinden, und ein dritter Politiker müsste sich einsam, daneben stehen gelassen, in die Opposition begeben. Aber keiner kann ohne den anderen. Oder zwei Großmächte, die sich nicht mögen, gehen trotzdem eine politische Zwangsgemeinschaft ein, damit sich eine dritte Macht, die sie bis aufs Blut reizt, womöglich beruhigt. Keiner kann ohne den anderen. Oder das ewige Spiel Amerika gegen Russland, aber mit wem als Dritten im Bunde? Nordkorea? Libyen? Iran? Da könnte einer ohne den anderen, nur das will man nicht!
Die schönsten Dreiecksbeziehungen haben wir allerdings in der Filmbranche: Ernst Lubitsch mit „Serenade zu dritt“ oder François Truffaut mit „Jules und Jim“ sind Bilder für die Ewigkeit. Auch Andrew Fleming mit „Einsam Zweisam Dreisam“, Woody Allen mit „Vicky Cristina Barcelona“ oder Xavier Villaverde mit „The Sex of Angles“ zeigen Sensationelles.
Und die Literatur steht da um nichts nach: Ernest Hemingway erzählt „Der Garten Eden“, Milan Kundera „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ oder Henry Miller „Henry und June“ …
Vielleicht halten wir‘s mit Theodor Sturgeon, der publizierte 1951 eine Geschichte, der zufolge Liebe „vielleicht doch nicht auf Geschlecht oder Monogamie beschränkt sein könnte“, in der er die Dreierbeziehung als höherwertig einstufte und sie über alle andere Beziehungsmuster stellte.
Ihr Harri Gebhartl