zurück

A PART!

25.01.2018

Jetzt nehmen wir einmal an, diese zweite Ebene wird zum Prinzip erklärt und alles, was im Stück beiseitegesprochen wird, verrät ihre wahren Gedanken. Es käme ein Stück mit „doppeltem Boden“ heraus. Die Figuren ließen sich dabei ertappen, wie sie ihre Ängste, Wünsche, Gewissensbisse und heimlichen Frotzeleien à part sprechen und eine Gegenwelt zum normal getexteten, turbulenten Boulevard-Spaß entwerfen.
Genauso arbeitet Florian Zeller. Alles hat zwei Seiten, wie eine Medaille oder eben auch ein Beziehungsleben. Dieser Erkenntnis müssen sich nicht nur die Figuren seines Stückes „Die Kehrseite der Medaille“ stellen, sondern auch die Zuschauer, mit denen sich die Charaktere durch das Beiseitesprechen verbünden.
Zeller ist der französische Shootingstar unter den Dramatikern, der bereits mit 25 Jahren 2004 mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis, dem Prix Interallié, ausgezeichnet wurde. In seinem neuen Stück würfelt er gesprochene Dialoge und innere Monologe zusammen. Das ist äußerst witzig. Denn als Zuschauer weiß man, welche Ängste, Wünsche, Eifersüchteleien und Bosheiten den Figuren durch den Kopf gehen, während sie miteinander nett lächeln, sich Gutes tun oder wohlerzogene Höflichkeiten austauschen.
Ja, Boulevard kann auch intelligent und verdammt fies sein. Florian Zeller zeigt nach „Die Wahrheit“ und „Die Lüge“ zum dritten Mal im Theater Phönix eine bissige Komödie auf unser Gesellschaftsleben.

Schauen Sie sich das an! 

Ihr Harri Gebhartl