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KEIN BISSCHEN LEISER!

17.06.2019

30 Jahre Theater Phönix und das Theater ist seit seiner Entstehung 1989 kein bisschen leiser geworden! Im Gegenteil, das Phönix hat als eigenständiges, lebendiges, künstlerisch aussagekräftiges Privattheaterhaus die strahlende Kraft, mit der es angetreten ist, beibehalten und sogar schärfen können! Viele Künster*innen, Wegbegleiter*innen und vor allem Sie, liebes Publikum, haben uns im wahrsten Sinne getragen, immer wieder motiviert und in großartige Sphären gehoben!

 

Ja, und jetzt können Sie sich auf eine Saison freuen, die die großen Augenblicke des Theater Phönix noch einmal vorbeiziehen lässt, die Vergangenheit mit der Zukunft genial verschmilzt und die Momente zeigt, die das Theater Phönix groß gemacht haben. Für seine Arbeit wurde das Theater Phönix mehrfach ausgezeichnet: Großer Landespreis 1995 für Initiative Kulturarbeit, Bühnenkunstpreis des Landes 2006 für kontinuierliche Autor*innenarbeit und kleiner Landespreis 2013 für Kunst im interkulturellen Dialog. 2014 wurde die Theater-Phönix-Produktion „Höllenangst" von Johann Nestroy in der Kategorie Beste Bundesländer-Aufführung mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet, und insgesamt war das Theater Phönix dreimal für den „Nestroy" nominiert.

 

Das Theater Phönix hatte immer einen unkonventionellen, intelligenten Zugang zu Musiktheater, zu Singspiel und Oper: Stücke wie das „Weiße Rössl", „Die Drei von der Tankstelle", die Oper „Pussycats", „Fra Diavolo" und schließlich die „Blues Brothers - Mission incredible" waren Publikumshits und sind uns noch in lebhafter Erinnerung! Nun, zur Saisoneröffnung setzt das Theater Phönix mit der Musikshow „Die Rückkehr der Blues Brothers" von Harald Gebhartl auf ein Feuerwerk an Szenen und hinreißenden Topsongs, deren Texte auch das gesellschaftspolitische Moment nicht missen lassen.

 

Georg Schmiedleitner war jahrelang einer der künstlerischen Leiter des Hauses und hat seine mächtige Regiepranke gezeigt bei „Rozznjogd", „Tod und Teufel", „Sauschlachten", „Die Minderleister" von Peter Turrini, „Indien" von Hader/Dorfer, „Der Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare oder - unvergessen - seiner Interpretation des Dramas „Die Räuber" von Schiller. Nun, Georg Schmiedleitner kehrt für eine Produktion wieder in „sein" Phönix zurück: In „Schiller - Zeiten des Aufruhrs" (AT) frei nach Schiller von Florian Hirsch, führt uns ein Freiheitskämpfer namens Schiller durch mehrere seiner Stücke und verschmilzt mit Figuren und Inhalt, angefangen von „Die Räuber" über „Die Verschwörung des Fiesko zu Genua" bis hin zu „Don Carlos". Ein literarisch-szenischer Leckerbissen für all jene, die die Himmel- oder Höllenfahrt des Stürmers und Drängers spektakulär miterleben wollen.

 

Auf gar keinen Fall darf jenes Stück fehlen, mit dem vor 30 Jahren das Theater Phönix offiziell eröffnet wurde: die „Rozznjogd" vom großen Peter Turrini. In Form einer szenischen Lesung wird der Text auf die Bühne gebracht, von keinen Geringeren vorgetragen als den Originalprotagonist*innen von damals: Ingrid Höller und Ferry Öllinger!

 

Thomas Baum hat dem Phönix wieder ein Stück geschrieben! „Die Affäre Odilon" beschreibt die verrückten Abenteuer des umtriebigen Herren Girardi, eines Operettensängers der Goldenen Wiener Ära, dem wir nicht nur den Girardi-Rostbraten zu verdanken haben, sondern auch den Girardi-Hut ... Girardi lernt nicht nur die Machenschaften eines Narrenhausdirektors kennen, des sauberen Herren Wagner-Jauregg, er trifft auch auf Kaiser Franz Joseph, dessen spielsüchtige Freundin Katharina Schratt, Kriegsgewinnler Albert von Rothschild und streitet sich herum mit Helene Odilon, seiner Frau, die ihn an den Rand des Abgrunds bringt... Eine Gesellschaftssatire, in der die herrschende politische Kurzsichtigkeit und soziale Verelendung Dynamiken sichtbar machen, die das Aufkeimen deutschnationaler und antisemitischer Tendenzen begünstigen. Mit den alten Haudegen Ingrid Höller, Helmut Fröhlich, Ferry Öllinger, gepaart mit dem Klasseensemble des Theater Phönix.

 

Christine Eder hat vor vielen Jahren als Regieassistentin im Theater Phönix begonnen, studierte dann Regie, inszenierte im Thalia-Theater in Hamburg, im Grazer Schauspielhaus oder im Volkstheater Wien und verlegte ihren Wohnort wieder nach Oberösterreich. Sie wird im Balkon „So starb eine Partei" inszenieren, nach dem Roman von Jura Soyfer, den sie für das Theater Phönix dramatisiert hat. Das Stück erzählt vom Niedergang der größten sozialen Bewegung, das heißt vom Ende der zukunftsweisenden Politik, der Demokratie, den Freiheitsrechten und dem Beginn des Austrofaschismus.

 

Die letzte Eigenproduktion ist eine Kooperation zwischen dem Theater im Bahnhof, Graz und dem Theater Phönix. Das Theater im Bahnhof, für das wir seit 30 Jahren Bewunderung hegen, weil sie radikale Stückentwickler*innen waren und sind, mit diesem Theater im Bahnhof kreieren, schreiben und erproben wir ein Stück: „1989 - Casting Tibor Foco" von Helmut Köpping mit Ensemble. Nicht nur, dass 1989 das Entstehungsjahr des Theater Phönix war, bedeutet es auch den Fall des Eisernen Vorhanges, in China wurde der Platz des Himmlischen Friedens besetzt und mit einem Massaker gewaltsam aufgelöst, Vranitzky von der SPÖ war gerade Kanzler, und Alois Mock und später Josef Riegler von der ÖVP gaben nacheinander die Vizekanzler, und die angeblich kriminellen Umtriebe des Herren Foco scheuchten die Polizei auf, ein beispielloser Fall in der Polizeigeschichte Österreichs, der Fragen über Fragen aufwarf und -wirft.

 

Darüber hinaus wird es noch Wiederaufnahmen, Kooperationen, Koproduktionen, Sonderproduktionen und viele Gastspiele geben. Entnehmen Sie das bitte dem Inneren unseres Heftes, genauso wie das Theater-Phönix-Jubiläumsabo.

 

Das Theater Phönix wird jedenfalls keinen Moment auslassen, um Ihnen „anderes", spannendes und außergewöhnliches Theater zu präsentieren.

Ich kann nur sagen, „Schauen Sie sich das an, auf 30 Jahre Theater Phönix!"
Ihr Harald Gebhartl

 

(Foto: Helmut Walter)