Sujet: Stefan Eibelwimmer
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Der letzte Raucher

von Mark Kuntz in einer Bühnenfassung von Kai-Uwe Holsten
ab 18 Jahren
mit David Fuchs , Thomas Kurz (als Gast in der Rolle des Roli) , Sofie Pint (als Sprecherin)
Regie: Erik Etschel
Bühne: Gerald Koppensteiner
Kostüm/Requisite: Antje Eisterhuber
Lichtgestaltung: Christian Leisch
Musik: Armin Lehner
Premiere: 31.10.2018 Lokal
Letzte Vorstellung: 11.11.2018
Aufführungsdauer: 1h 10; keine Pause
Aufführungsort: Lokal

„Der letzte Raucher stirbt nicht an Lungenkrebs, er erfriert am Balkon.“

Eine Tirade in 27 Zigaretten und sechs Flaschen Wein mit David Fuchs über Nichtraucher, Raucher und das Leben generell.
Ein junger Mann rechnet ausgesperrt am Balkon eines Freundes mit Rauchern, militanten Nichtrauchern und sich selbst ab, um gegen die Einsamkeit und Kälte anzukämpfen.
„Vor der Zigarette danach jedenfalls kann ich nur warnen: Wenn es Zigaretten gibt, die richtig auf die Gesundheit gehen, dann die. Aber darum geht es mir jetzt gar nicht. Der Mythos von der Zigarette danach unterschlägt die unzähligen Zigaretten, die Männer und Frauen in der Geschichte der Menschheit geraucht haben, bevor sie sich endlich in die Arme fielen. Diesen Zigaretten gilt es, ein Denkmal zu setzen. Und den Männern und Frauen und der Liebe natürlich.“

Ein vielschichtiger, komödiantischer Beitrag zu einem brandaktuellen Thema: Diese virtuose One-Man-Show stolpert bei maximalem Tempo und minimaler Selbstreflexion über die Höhen und Tiefen des Raucherdaseins und schneidet dabei in wutbürgerlichem Feuer Themen an, die tiefer gehen als die vordergründige Diskussion um Raucher- und Nichtraucherräume.

*In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen geraucht.

Fotos

Sujet: Stefan Eibelwimmer
© Raphaela Danner
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Trailer

Pressestimmen

Wolken am Balkon

Elisabeth Vera Rathenböck, Krone, 02.11.2018

Endlich darf hemmungslos geraucht werden! Aber: „Der letzte Raucher" im Linzer Theater Phönix steckt sich seine Glimmstängel in einer Raucherkabine an. Die Schwaden dringen nicht ins Publikum. Die Komik, die das Solostück in sich hat, ruft einige Lachwolken hervor« David Fuchs spielt wirklich genial!
Spätestens seit dem Rauchervolksbegehren ist Rauchen in öffentlichen Räumen in Verruf geraten. Und bei privaten Partys? Der letzte Raucher steigt lieber gleich auf den Balkon hinaus. Doch dann geht der Freund weg, die Balkontür bleibt zu. Mit 27 Zigaretten Vorrat beginnt der Held zu sinnieren. Er plaudert über die Macht jener, die dem blauen Dunst entkommen sind, über Romeo und Julia am Balkon, Erotik, die Zigarette danach.
Das Stück folgt dem Buch von Mark Kuntz, für die Bühne hat es Kai-Uwe Holsten als teils witzigen, teils banalen Monolog aufbereitet. David Fuchs, der sich als höchst begabter Bühnensolist vorstellt, arbeitete mit Regisseur Erik Etschel zusammen. Gerald Koppensteiner machte aus dem Phönix-Beisl eine interessante Bühne. Entstanden ist ein kurzweiliges Stück, in dem geraucht wird, allerdings in einer Glaskabine, der Zuschauerraum bleibt „clean".
Fazit: Die Relevanz der Inhalte bleibt teilweise auf der Strecke. Inszenierung und Spiel sind gut geraten!

Der großartige Kampf des letzten Rauchers in Linz

, OÖN Onlineausgabe (apa), 02.11.2018

Mit "Der letzte Raucher" hat Regisseur Erik Etschel einen augenzwinkernden Beitrag zur Debatte um das Rauchverbot geliefert. Das Stück feierte am Mittwoch im Theater Phönix Linz Premiere.
Ausgesperrt am Balkon von seinen nichtrauchenden Freunden, die "spontan" ohne ihn fortgehen, bleibt dem "letzten Raucher" (David Fuchs) nichts anderes übrig, als in der Kälte über das Rauchen zu sinnieren – vom Trennungsschmerz über Ausgrenzung bis hin zum Ekel vor Alkohol und Zigaretten nach einer langen Nacht.
Getrennt durch die Glaswand
Rasend schnell folgt dabei eine Episode auf die nächste. Allzu viel Handlung und Tiefgang gibt es nicht. Das ist aber nicht notwendig, denn ein grandioser David Fuchs lässt keine Zeit zum Durchatmen. Er pendelt zwischen einem Häufchen Elend, einem politischen Beobachter und einem Exzentriker. Auch das Setting ist gelungen: Das Stück spielt im "Vereinslokal", der Bar des Theaters, die Zuseher sind durch eine gläserne Wand vom "letzten Raucher" getrennt.
Fazit: 70 unterhaltsame, kurzweilige Minuten für alle Raucher, die es waren oder werden wollen.

Nüsse knabbern und weinen

Christian Pichler, Oberösterreichisches Volksblatt Onlineausgabe, 01.11.2018

Solo für David Fuchs als „Der letzte Raucher“ im Linzer Theater Phönix
Straßenstrich und Raucherzonen zusammenlegen, um anrüchige Randexistenzen zu bündeln? Seltsame Gedanken des letzten Rauchers, allein in kalter Nacht auf dem Balkon. Ausgesperrt und vergessen von seinen sauberen Bekannten. Von Leuten, die ihren ein eine Weile „atmen“ lassen, ehe sie ihn trinken. Solche Leute, willige Klischeezuträger, die „spontan“ ein Abendessen drei Tage im Voraus planen. Aber der letzte Raucher für die Nacht gewappnet, 27 Tschick dabei und sechs Flaschen Wein am Balkon gefunden.
Kein Sex im Linzer Theater Phönix, die Vorstellung dennoch ab 18 Jahren angesetzt. Jeder Zeit ihre Wertmaßstäbe, auf der Bühne (Gerald Koppensteiner), hinter durchsichtiger Plane wird jugendverderbend geraucht. Der Hamburger Autor Mark Kuntz nimmt in seinem Buch „Der letzte Raucher“ ebendiesen und noch mehr seine Gegner in die satirische Mangel. Premiere der Bühnenfassung von Kai-Uwe Holsten war am Mittwoch im Phönix-Lokal, Regie führt Erik Etschel.
Eine Welt ohne blauen Dunst?
David Fuchs gibt diesen ramboiden Einzelkämpfer mit beachtlichem Körpereinsatz, turnt auch an der Phönix-Fassade herum. Mimt den Suchthaufen, der in der hintersten Sakkotasche noch ein Päckchen findet, es mit äffischem Gekreische und zu „Zarathustra“-Musik (Armin Lehner) öffnet.
Rauchen eine lebensverkürzende und Mitmenschen beschädigende Idiotie, so viel ist auch dem letzten Raucher klar. Aber schauderhaft der moralisierende Reinheitskult der Abstinenten. Der letzte Raucher sentimental, eine Welt ohne blauen Dunst? Churchill, Sinatra und Bogart hocken an der Bar, knabbern Nüsschen und weinen.
Vergeblich die Aufhörversuche des letzten Rauchers, eine Julia hat ihn verlassen. Er redet sich in Rage, Schweiß und nackter Oberkörper, Rock’n’Roll und Eminems „Lose Yourself“. Die Welt schönreden, aber ja, für Kinder pädagogisch wertvoll „Theo, der vegetarische Tiger“. Der letzte Raucher zuletzt im rosa Plüsch-Pullöverchen (Kostüme: Antje Eisterhuber), ein Exot. Den „Patronengurt“ mit Zigaretten umgeschnallt, Tschick verteilt: „Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen wieder anzufangen.“
Eine schwungvolle Parodie, wie ein 70-minütiger Videoclip. Das Publikum ließ sich gerne zu Standing Ovations überreden.

„Der letzte Raucher“ in Linz gegen Husten und Doppelmoral

, Salzburger Nachrichten Onlineausgabe, 01.11.2018

Mit „Der letzte Raucher“ hat Regisseur Erik Etschel einen augenzwinkernden Beitrag zur aktuellen Debatte um das Rauchverbot geliefert. Weniger als Anstoß zur differenzierten Meinungsbildung als vielmehr als Angriff auf die Lachmuskeln entpuppte sich das Stück, das am Mittwoch im Linzer Theater Phönix Premiere feierte.
Ausgesperrt am Balkon von seinen nichtrauchenden Freunden, die ganz „spontan“ ohne ihn um die Häuser ziehen, bleibt dem „letzten Raucher“ (David Fuchs) nichts anderes übrig, als in der abendlichen Kälte („Der letzte Raucher stirbt nicht an Lungenkrebs, er erfriert am Balkon“) über – wie sollte es anders sein – das Rauchen zu sinnieren. Und er durchlebt dabei die gesamte Bandbreite an Emotionen, vom Trennungsschmerz über das Gefühl, ausgegrenzt zu sein – „Ich fühle mich wie der letzte Raucher auf Erden“ – bis hin zum Ekel vor Alkohol und Zigaretten nach einer durchzechten Nacht.
„Den Kampf zwischen Herz und Hirn verlieren immer Leber und Lunge“ wie der „letzte Raucher“ konstatiert, ist so etwas wie das Motto des Abends – wobei die Lunge naturgemäß stärker in Mitleidenschaft gezogen wird. Rasend schnell folgt eine Episode auf die nächste: Ist der „letzte Raucher“ im einen Moment noch bereit, für seine „Julia“ das Rauchen aufzugeben und stattdessen zu „vapen“, echauffiert er sich im nächsten über die Doppelmoral all jener, die das Nichtraucher-Volksbegehren unterschrieben haben, um wenig später im Flugzeug um die Welt zu jetten. Apropos Julia: „Es muss doch einen Grund haben, warum Julia ständig am Balkon draußen steht und warum Romeo unten auf der Straße rumlungert: Kettenraucher, durch und durch!“
Allzu viel Handlung und Tiefgang hat das Stück freilich nicht – das ist aber auch gar nicht notwendig, denn ein grandioser David Fuchs lässt dem Zuseher keine Zeit zum Durchatmen. Er pendelt zwischen einem mitleiderregenden Häufchen Elend („Kennen sie das traurigste Geräusch der Welt? – das Schütteln einer leeren Zigarettenschachtel“), einem undifferenzierten politischen Beobachter („Früher stand Rauchen für Freiheit, heute für Nationalismus“) und einem exzentrischen – nun ja – Raucher, der animalisch ein unverhofft gefundenes Päckchen Zigaretten feiert.
Auch das Setting ist gelungen: Das Stück spielt im „Vereinslokal“, eigentlich der Bar des Theaters, die Zuseher sind durch eine gläserne Wand vom „letzten Raucher“ getrennt. Somit ist das Publikum nah dran an der schweißtreibenden One-Man-Show, die David Fuchs liefert. Und um letztlich beiden Seiten gerecht zu werden, können alle Raucher am Ende vom „letzten Raucher“ höchstpersönlich mit Zigaretten versorgt ihrem Laster frönen, während sich die Nichtraucher ein olfaktorisches Andenken an den Theaterabend mit nach Hause nehmen.
Die von Fuchs mit einem Augenzwinkern eingeforderten Standing Ovations am Ende hätte ihm das Publikum auch von sich aus beschert. Fazit: 70 unterhaltsame und kurzweilige Minuten für alle „Raucherinnen und Raucher, Nichtraucherinnen und Nichtraucher, Gelegenheitsraucherinnen und Gelegenheitsraucher, Genussraucherinnen und Genussraucher, Kettenraucherinnen und Kettenraucher und (vielleicht bald) Exraucherinnen und Exraucher“.