© Helmut Walter
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So starb eine Partei

von Jura Soyfer in einer Bühnenfassung von Christine Eder
mit Nadine Breitfuß , David Fuchs , Christian Strasser , N.N.
Regie: Christine Eder
Bühne: Monika Rovan
Kostüme: Antje Eisterhuber
Lichtgestaltung: Christian Leisch
Musik: Philipp Haupt
Dramaturgie: Sigrid Blauensteiner
Premiere: 05.05.2020
Aufführungsort: Balkon

Europa 1933: Italien, Ungarn und Polen sind faschistisch. Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit schüren Ängste, verunsicherte Kleinbürger*innen, armutsgefährdeter Mittelstand, prekäre Arbeiterschaft: Viele sind anfällig für populistische Heilsversprechen. Sie fragen nicht mehr nach Ursachen, sondern nach Schuldigen. Die Radikalisierung in allen Lagern spaltet die Gesellschaft. Und aus Deutschland zieht die nationalsozialistische Bedrohung herauf.

Österreich: Die einst strahlende Sozialdemokratische Arbeiterpartei liegt darnieder. Das stolze Bollwerk gegen Faschismus und Ausbeutung, die Hoffnungsträgerin, die ihren Millionen Anhänger*innen Freiheit und gerechtere Lebensumstände erkämpfte und eine glänzende Zukunft versprach, siecht handlungsunfähig dahin. Von den fortschrittlichen Visionen ist wenig übrig: behäbiger Beamtenapparat, Funktionäre, die soziale Realitäten ignorieren, Mauschelei und Lagerbildung, dazu die resignierte Selbstbeschwörung „Es wird schon nicht so schlimm kommen". Zahllose desillusionierte Wählerinnen, die die Untätigkeit „der Partei" angesichts des drohenden Bürgerkriegs nicht begreifen. Alle stehen ratlos vor den politischen Ereignissen, können sie weder verändern noch verhindern.

Jura Soyfers Romanfragment „So starb eine Partei" ist eine scharfsichtige Analyse der Vorkommnisse im letzten Jahr der Ersten Republik, die vom Niedergang der größten sozialen Bewegung des 20. Jhdts. handelt. Alle Einzelschicksale kreisen um den kranken Organismus, sein Sterben bedeutet das Ende von zukunftsweisender Politik, Demokratie und Freiheitsrechten und den Beginn des Austrofaschismus. Eine Analyse aber auch von bedrückender Aktualität, die Regisseurin Christine Eder für die Bühne bearbeitet hat.

Fotos

© Helmut Walter